#onlyshe – zum Jargon der „echten Frau“

Vor kurzem erschien im Feuilleton der Jungle World ein Artikel,[1] dessen, den Inhalt recht gut zusammenfassender, Teaser lautete: „Die »Metoo«-Kampagne verharmlost Vergewaltigungen, weil sie sie in einer nivellierenden Masse von unterschiedlichsten, wenn auch insgesamt unappetitlichen [bis widerlichen] Vorfällen untergehen lässt.“ Paula Irmschler, da namentlich genannt, durfte zwei Wochen später „antworten“.[2] Irmschlers Text ist dabei deutliches Symptom für eine Debattenkultur, die den Namen nicht verdient, und wegen derer die Disko-Sparte der Jungle World allzu oft leider wirklich eher dem autistischen Aneinandervorbeigetanze heutiger Diskotheken ähnelt, was aber nicht dazu verführen sollte, zu denken, dass Texte dieser Art keine Wirkung entfalten würden oder dass dies nicht sogar dezidiert ihre intendierte Wirkung wäre. Die Hauptthese Irmschlers zur Verteidigung von #metoo wäre wohl die Behauptung: „Eine Debatte ist nicht obsolet, nur weil sie (auch!) von Fällen erzählt, die nicht justiziabel sind.“ Derart wird die behauptete „Gleichberechtigung“, welche den jeweiligen Phänomenen zukäme, schon sprachlich hergerichtet. Als wären es nicht nach kurzer Zeit schon vor allem nicht justiziable Fälle gewesen, von denen berichtet wurde, so dass die strafbaren Handlungen in der auf Masse setzenden Debatte schnell untergingen. Bei Irmschler liest sich dies folgendermaßen: „Keine Geschichte macht die andere weniger wert oder wertvoller.“ Dagegen wäre schon zu betonen, dass keine Geschichte, egal wie brachial, grausam diese sein mag, per se „wert“ oder „wertvoll“ ist. Dies wird sie erst durch die Verwertung, von der die Auswertung jene spezifisch qualitative Variante ist, während die Geschichten im Großen und Ganzen aktiv zu einem „Diskurs“ nivelliert und somit rein quantitativ verwertet werden. […]