Post-Wachstum – Post-Fortschritt – Post-Fakt. Von der wachsenden Diskrepanz zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit.

Wenn es eine Gewissheit im gesellschaftlichen Handeln gibt, dann diese: Veränderungen machen Angst. Genauer gesagt ist es das befreiende Potenzial dieser Veränderungen, das gleichzeitig für Unbehagen sorgt. Veränderungen werden immer kollektiv selbst erzeugt, trotzdem kann keine gesellschaftliche Entwicklung stattfinden, ohne dass sie irgendwen verunsichert oder verängstigt. Das liegt nicht etwa daran, dass der Mensch, wie viele Vulgär- und Hobbyanthropologen behaupten, innerlich noch ein „Tier“ ist, ein „Gewohnheitstier“ sogar, das ja „von Natur aus“ gar keinen echten Fortschritt zustande bringt, weil die Möglichkeiten seiner Art biologisch festgeschrieben sind. Schon eher ist der Mensch ein soziales Wesen, weswegen seine Erfahrung wesentlich davon geformt wird, in welchen gesellschaftlichen Zusammenhängen sie gemacht wird. Die nützliche Faustregel, dass jeder Lösungsvorschlag für gesellschaftliche Probleme erstmal als Ausdruck gesellschaftlicher Erfahrung zu verstehen sei, dürfte also auch hier der Wahrheitsfindung dienlich sein. Eine Kritik der Fortschrittsskepsis hat sich zuerst mit dem Begriff von Fortschritt auseinander zu setzen, an dem sich die Post-Wachstumsökonomie abarbeitet, um womöglich noch etwas daran zu retten und vor denen zu verteidigen, die einer „Maschinenstürmerei auf erweiterter Stufenleiter“ (1) verfallen sind. […]