Philipp Auerbach (2. v.r) zu Gast bei der Jüdischen Gemeinde in Starnberg (Foto: Yad Vashem)

Der lange Arm der nationalsozialistischen Rechtsprechung. Über den Tod Philipp Auerbachs und die „zweite Schuld“ der Deutschen.

Am 16. April 1952 trat in München ein aus ehemaligen Nationalsozialisten bestehendes Gericht zu einer Verhandlung über Holocaustüberlebenden Philipp Auerbach zusammen. Den Vorsitz des dreiköpfigen Gerichts übernahm kurzfristig der ehemalige Pg. Josef Mulzer, der in der Zeit des Nationalsozialismus zum Oberkriegsgerichtsrat aufstieg. Auch einer der beiden Staatsanwälte sowie der psychiatrische Sachverständige, Wulf Ziehen, waren ehemalige Mitglieder der NSDAP. Ein Beisitzer des Gerichts war Mitglied der SA. Der Prozess wurde begleitet von einer antisemitisch gefärbten Kampagne gegen Philipp Auerbach. Der ungerechtfertigte Schuldspruch trieb ihn schließlich in den Suizid.

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Objekt regressiver Kritik des postmodernen Fußballs: RB Leipzig

Ihr wollt Fußball so wie früher? Kritik der politischen Ökonomie und traditionalistischer Affirmation des postmodernen Fußballs

Eine vitale Diskussion entwickelte sich in den vergangenen Jahren, zumal durch den Aufstieg des RB Leipzig, über die Kommerzialisierung des Fußballsports, vermeintliche Heuschrecken, verkürzte Kapitalismuskritik, Plastikmannschaften, echte Fans und nicht zuletzt die Frage, ob die Anhängerschaft eines Vereins denn nun „Links“ oder „Rechts“ wäre.

Emanzipierte Fußballfans, insbesondere Assoziierte der Ultra-Bewegung treten bei Mitgliederversammlungen selbstbewusst als politische Akteure auf und initiieren gesellschaftliche Projekte abseits des Stadions. Ein Beispiel hierfür ist die Vergegenwärtigung der jüdischen Wurzeln des FC Bayern München und insbesondere die ‚Wiederentdeckung‘ des ersten Bayern-Präsidenten und Naziopfers Kurt Landauer durch die Ultragruppierung ‚Schickeria München‘. Das seither jährlich stattfindende antirassistische Kurt-Landauer-Turnier der Schickeria entspringt eben jenem Denken, sich nicht nur samstags zwischen 15:30 Uhr und 17.15 Uhr mit seinem Verein zu identifizieren. Doch diese Identifikation wird auf eine harte Probe gestellt, wenn sich Ultras mit der kulturindustriellen Warenform des Profifußballs – in Form der Eventisierung des Stadionbesuchs etwa – konfrontiert sehen. […]

Habermas' Antwort auf Ernst Noltes Revisionismus. "Die Zeit" vom 11. Juli 1986, Foto: Franziska May (CC BY-NC-ND 3.0)

Antisemitismus ist ohne Relevanz. Zum Tod von Ernst Nolte und dem deutschen Selbstverständnis

Ernst Nolte ist gestorben und eine Reihe von Nachrufen ging durch den deutschen Feuilleton. Wie Nachrufe so sind – über Tote soll man nicht schlecht sprechen – halten sie ihre Bewertungen in den vermeintlichen Grenzen der Freundlichkeit und behaupten mal lapidar häufig anerkennend, Ernst Nolte sei der Historiker, der den Historikerstreit initiierte – als sei Revisionismus eine rühmliche Lebensleistung. […]

Europäischer Antizionismus. Zur „Wiedergutwerdung Europas“ am Pariastaat Israel.

Das Jahr 2015 erscheint aus Sicht der Europäischen Union als Krisenjahr, welches die Staatengemeinschaft vor mehrere Zerreißproben stellte. Der wirtschaftliche und folglich soziale Kollaps Griechenlands, die nationale Rückbesinnung Großbritannien sowie die Flüchtlingstrecks über das Mittelmeer und durch den Balkan stellen die EU vor fundamentale Fragen. Nicht nur die wirtschaftliche Zusammenarbeit sondern auch die politische Annäherung Read more about Europäischer Antizionismus. Zur „Wiedergutwerdung Europas“ am Pariastaat Israel.[…]

Der Stolz einer Kartoffel

Mit Vater Staat gegen die Zivilgesellschaft.

Zuckerbergs Spende und das Echo des deutschen Denkens.

Mark Zuckerberg ist in Deutschland unbeliebt. Im Februar 2014, während der geplanten Übernahme von WhatsApp, holte der Karikaturist Burkhard sogar antisemitische Klischees aus der Trickkiste: Er zeichnete Facebook als „Datenkrake“ mit Hakennase und Pejes.

Anlässlich der Geburt seiner Tochter Max eröffnet Zuckerberg, 45 Milliarden US-Dollar, also etwa 99% des derzeitigen Facebook-Aktienwertes, peu a peu in eine gemeinnützige Stiftung zu überführen. In einem öffentlichen „Brief an seine Tochter Max“ gibt er das Motiv (seine Tochter solle in einer besseren Welt aufwachsen) und das Programm vor. Mit solchen Gesten reiht er sich in die Liste der reichen Philanthropen um Gates und Buffet und damit in eine US-amerikanische Tradition ein. […]

Mit einem charmanten Neurotiker auf Entdeckungsreise durch Israel – Rezension zu Tuvia Tenenboms neuem Buch „Allein unter Juden“

Als am 18. November 2014 zwei palästinische Extremisten vier Menschen in einer Jerusalemer Synagoge ermordeten, zeigten sich sogar deutsche Medien einigermaßen bestürzt. Das heute journal, stets bemüht um eine (israel-)kritische Berichterstattung schaffte es, die Familie des getöteten Attentäters zu interviewen, die nicht nur von der Verzweiflung der palästinensischen Bevölkerung lamentieren durften, sondern auch noch das letzte Wort erhielten. Dieser furchtbare Beitrag ist bezeichnend für die Berichterstattung über Israel, die wohl auf einem durch Sprachbarrieren erzeugten Mangel an Originaltönen und auf einem zu viel an Ressentiments beruhen. Umso erfreulicher ist deshalb das neuste Buch Tuvia Tenenboms, das im Herbst 2014 im Suhrkamp Verlag erschien: „Allein unter Juden“. […]