#onlyshe – zum Jargon der „echten Frau“

Vor kurzem erschien im Feuilleton der Jungle World ein Artikel,[1] dessen, den Inhalt recht gut zusammenfassender, Teaser lautete: „Die »Metoo«-Kampagne verharmlost Vergewaltigungen, weil sie sie in einer nivellierenden Masse von unterschiedlichsten, wenn auch insgesamt unappetitlichen [bis widerlichen] Vorfällen untergehen lässt.“ Paula Irmschler, da namentlich genannt, durfte zwei Wochen später „antworten“.[2] Irmschlers Text ist dabei deutliches Symptom für eine Debattenkultur, die den Namen nicht verdient, und wegen derer die Disko-Sparte der Jungle World allzu oft leider wirklich eher dem autistischen Aneinandervorbeigetanze heutiger Diskotheken ähnelt, was aber nicht dazu verführen sollte, zu denken, dass Texte dieser Art keine Wirkung entfalten würden oder dass dies nicht sogar dezidiert ihre intendierte Wirkung wäre. Die Hauptthese Irmschlers zur Verteidigung von #metoo wäre wohl die Behauptung: „Eine Debatte ist nicht obsolet, nur weil sie (auch!) von Fällen erzählt, die nicht justiziabel sind.“ Derart wird die behauptete „Gleichberechtigung“, welche den jeweiligen Phänomenen zukäme, schon sprachlich hergerichtet. Als wären es nicht nach kurzer Zeit schon vor allem nicht justiziable Fälle gewesen, von denen berichtet wurde, so dass die strafbaren Handlungen in der auf Masse setzenden Debatte schnell untergingen. Bei Irmschler liest sich dies folgendermaßen: „Keine Geschichte macht die andere weniger wert oder wertvoller.“ Dagegen wäre schon zu betonen, dass keine Geschichte, egal wie brachial, grausam diese sein mag, per se „wert“ oder „wertvoll“ ist. Dies wird sie erst durch die Verwertung, von der die Auswertung jene spezifisch qualitative Variante ist, während die Geschichten im Großen und Ganzen aktiv zu einem „Diskurs“ nivelliert und somit rein quantitativ verwertet werden.

„Silence Breaker“

In der Debatte der Jungle Word folgte eine Stellungnahme Johanna Niendorfs. Dort hieß es, dass zwar irgendwie beide Seiten Recht haben. Rasch wurde daraus aber ein Artikel, der vor allem Irmschlers Verwässerungen noch einmal eine Stufe höher hob und etwas intellektueller absegnete: „Die Kritik von Paulette Gensler, dass es sich bei der Online-Kampagne um nichts als die »bloß quantitative Verwertung« von Einträgen handelt, die, unter einem Schlagwort subsumiert, eigentlich von sehr unterschiedlichen Handlungen erzählen, verweist auf ein allgemeines Problem des Begreifens von Gesellschaft und Gewalt, das ist kein Alleinstellungsmerkmal gegenwärtiger feministischer Bewegung. Dass Unterschiede nivelliert werden, liegt in den Verhältnissen selbst begründet und macht auch vor dem Reden über das Leiden an ihnen nicht halt.“[3] Somit wäre der eigene Unwille zum Denken, das immer Unterschiede erkennen muss, einfach den Verhältnissen zugeschrieben, um fortzufahren: „Eine kritische Reflektion [sic!] dieser Verhältnisse und der eigenen Verstricktheit darin muss von Feministinnen beständig erkämpft werden.“ Was sie aber nicht tun, da sie stattdessen fordern: „Die Frage, ob #metoo darüber hinaus ein aufklärerisches Moment in sich trägt, bleibt offen und sollte es auch bleiben“, das heißt: man möge nicht urteilen, denn #metoo zeige Wirkung. Das Dilemma beginnt natürlich, wenn man sich beispielsweise mit Niendorf noch nicht einmal auf den Sinn (und in diesem Zuge potenziell auch den Unsinn) des Feminismus einigen kann, da diese schreibt: „Feminismus darf dabei nicht missverstanden werden als ein Partikularinteresse von Frauen, sondern, dieses eingeschlossen, zielt Feminismus auf den Umsturz aller Verhältnisse, in denen der Mensch ein erniedrigtes Wesen ist.“ Es sollte klar sein, dass der Feminismus nicht ein „Partikularinteresse von Frauen“ ist, gleichzeitig aber auch, dass er die partikularen Interessen von Frauen, die er im Namen trägt, sehr wohl und zwar in erster Linie, wenn nicht gar ausschließlich zu vertreten hat – und zwar seit de Gouges oder Wollstonecraft. Würde man wirklich die „menschliche Emanzipation“ im Marxschen Sinne und nicht die politische Emanzipation der Frau zum Telos feministischer Kritik und Praxis erklären – das Urteil über den Feminismus fiele noch weit verheerender aus.

Ohne dieses Fass nun aufzumachen, kann man auch am Text bleiben, in dem Niendorf anmerkt: „Wie Bernhard Torsch in Konkret 12/2017 sehr treffend schreibt, ist das »Erschreckendste« an der Kampagne »das Erschrecken« darüber. Das scheinbare männliche Unwissen über das, was der bürgerlich-kapitalistische Alltag für Frauen bedeutet. Die Verdrängungsleistung, die hier zum Ausdruck kommt, ist beeindruckend.“ So sehr ihr zuzustimmen ist, in der abstrakten Forderung, es brauche „psychoanalytische Kategorien“, muss ihr im selben Moment geraten werden, diese Kategorien dann auch richtig zu verwenden. Nicht jede Abwehr ist eine Verdrängung, und keineswegs „verdrängt“ irgendjemand irgendetwas, das einer anderen Person widerfährt; so cool dies auch klingen mag, insbesondere wenn darauf Sätze folgen wie: „Das psychische Dilemma in der männlichen Subjektkonstitution bedarf einer beständigen Verdrängungsleistung, die zur Abspaltung und Abwehr eigener konflikt- und angstbesetzter Anteile und ihrer Projektion auf Frauen oder »Fremde« führt.“ Nur ist die Verdrängung eine spezifische Abwehrleistung, nicht andersherum, und dies neben Verleugnung, Unterdrückung, Rationalisierung, Idealisierung etc pp.

Aber auch jene Verwischung dürfte für Niendorf einfach „in den Verhältnissen selbst begründet“ sein, womit sie selbst entschuldigt wäre. Erstaunlich ist doch aber, dass sie sich ausgerechnet auf Torsch bezieht, der in derselben Zeitung vor ziemlich genau einem Jahr schrieb, „dass man den ‘jungen Männern mit Migrationshintergrund’ nur gutes Gelingen dabei wünschen mag, diese Inseln selbstgerechter Saturiertheit zu verwüsten. Vor allem, wenn sie dieses, wie Conne Island unterstellt, gerne tun.“[4] Statt einer Verdrängung beweist dies eher das „erschreckende“ Kurzzeitgedächtnis von heutigen Kritikern und deren Lesern, das es erst erlaubt, dass jemand der vor einem Jahr Jungmännern, nur weil sie muslimisch waren, viel Spaß bei jenen jetzt beklagten sexuellen „Übergriffen“ wünschte und sie diesbezüglich ermunterte,  plötzlich als antisexistischer Moralapostel auftreten kann, der verkündet: „#metoo ist aufklärerisch, da die Aktion auf Berichte statt auf Wertung setzt“.[5] Dies wäre die Gemeinsamkeit all jener Artikel: Die mal implizite, mal explizite Forderung nicht zu werten, nicht zu urteilen.

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Person of the Year 2017 | Silence Breaker

Inwieweit dies alles dem Zeitgeist entspricht sollte spätestens deutlich werden, wenn das Time-Magazin „The Silence Breakers“ von #metoo zur Person des Jahres 2017 erklärt. Ziel dieser Verleihung ist „singling out the person or persons who most influenced the events of the year.“ Dabei ist es erst einmal hinfällig, ob zum Guten oder Schlechten, weshalb sich die Betreffenden nun auch einen Titel teilen mit so illustren Gestalten wie Khomeini, Stalin und Hitler. Beim Time Magazin gesteht man die Marginalisierung der Straftaten zumindest aus Versehen ein: „women everywhere have begun to speak out about the inappropriate, abusive and in some cases illegal behavior they’ve faced.“[6] Ein wesentliches Problem, das ausgerechnet #metoo angeblich angehe, sei jenes der sprachlichen Relativierung: „Discussions of sexual harassment in polite company tend to rely on euphemisms: harassment becomes „inappropriate behavior,“ assault becomes „misconduct,“ rape becomes „abuse.““ Aber genau dies wäre doch dem Preisträger #metoo selbst vorzuwerfen, da Milano das Hashtag anleierte mit der Ansage: „If all the women who have been sexually harassed or assaulted wrote ‚Me too.‘ as a status, we might give people a sense of the magnitude of the problem.“ Um die Größe des Problems darszustellen, muss man also in Kauf nehmen, dass „rape“ hier entweder ganz gestrichen wurde, oder nur noch unter „assault“, also je nach Sprachgebrauch „Übergriff“ oder Nötigung, mitläuft. Über die „Silence Breakers“ heißt es abschließend: „They’re part of a movement that has no formal name. But now they have a voice.“ Dass sie nur noch eine Stimme haben, wäre ja gerade als Problem zu betrachten.

Der große Vorteil daran ist jedoch, dass man sich diese eine Stimme sehr viel einfacher aneignen kann. Und genau dies tut Paula Irmschler, die zwar mit Sicherheit keine besonders bedeutsame, trotz allem aber recht aktive Advokatin von #metoo ist. Gerade im Falle von Irmschler aber lässt sich das oben noch postulierte „Kurzzeitgedächtnis“ klar als programmatische Willkür und Beliebigkeit erkennen. Dabei zeigt sich rasch, wie sehr sie dem „Netzfeminismus“ zuzuschlagen ist, dessen grundlegendste Bestimmung wohl wäre, dass die Differenz zwischen den betreffenden Artikel in Zeitungen und Magazinen, ob Online oder Print, sowie Postings und Kommentaren in den sozialen Medien nur noch eine graduelle ist, dass er gleichzeitig zwischen diesen Formen schwanken muss, um sich zu darzutun.

Es ist gerade jene Ausprägung des Feminismus, in dem Alltagserlebnisse unvermittelt zu einer Theorie werden, und wo scheinbar knallharte Urteile nur auf Andeutungen beruhen; ohne dass dies ein Alleinstellungsmerkmal wäre. Es sei daher eine kurze Analyse jenes kleinen, aber lauten Milieus erlaubt, für das Paula Irmschler als durchaus stellvertretend angeführt werden kann, ohne dass sich beide ineinander völlig erschöpfen, und dessen Vorstellungen, Meinungen und Verirrungen im Bezug auf die „Vergewaltigung“, anhand derer sich zeigen dürfte, dass es von der ursprünglichen Kritik längst mitgemeint, wenn auch kaum direkt adressiert war. Es geht also schlichtweg darum, und mehr kann Kritik hier kaum leisten, anhand der jeweiligen Texte die dem Milieu eigene Willkür als Willkür aufzuzeigen, und zu veranschaulichen, wie sich die Beliebigkeit insbesondere in der Sprache ausdrückt. Eine gewisse Pedanterie, die sich unterstellen ließe, sei angesichts der Ernsthaftigkeit des Themas, die Vergewaltigung und ihre Verharmlosung, entschuldigt.

I. Eine kleine Milieustudie

In Anbetracht ihres Bezugs auf die bloße Masse muss man Paula Irmschler gleich widersprechen und dies durchaus zu ihren Gunsten: Es sind keineswegs „zehntausende“, sondern sogar Millionen von Frauen (und ein paar Männer), die im Falle von #metoo „über etwas (sprechen), das ihnen wichtig ist.“ Und Millionen von Frauen können schließlich nicht irren, wie immerhin auch jede zweite Filmreklame zu verkünden weiß. Auch kann es nicht sein, dass selbst Millionen Frauen zumindest gegen bestimmte ihrer Interessen handeln könnten, und dies völlig bewusstlos. Natürlich heißt, von den wahren Interessen der Frauen zu schreiben, immer schon, Frauen in erster Linie nur als Frauen wahrzunehmen, und alle Frauen (zumindest die genehmen) im selben Moment als die ideelle Gesamtfrau zu betrachten. Jene Figur ist dermaßen im Geiste Magarete Mitscherlichs „Die friedfertige Frau“ gemodelt, dass der Grundkonflikt oder gar „Hauptwiderspruch“, zu dem er hier wird, schon vorgegeben ist. Es ist immer „der Kritiker“, die „bremsenden, distanzierten Kritiker“ oder einfach „~er~“ gegen „Menschen“ oder „Frauen“ beziehungsweise im Idealfall gegen „echte Frauen mit ihren echten Anliegen“. Eben dies ist ein Unmittelbarkeitsfetisch, in dessen Gefolge schon bloß vom „Netzfeminismus“ oder einer „Kampagne“ zu sprechen eine Verschwörungstheorie darstellt. In den Tiefen der sozialen Netzwerke hieß es anscheinend gar aus anderer Hand, die Kritik am Netzfeminismus sei „eine strukturell antisemitische Sichtweise auf den Feminismus“.[7]

Gegen die recht offensichtliche Tatsache, dass etwas (ein Oberbegriff) mehr und zugleich weniger ist als die Summe seiner Teile (also der darunter zusammengefassten Menschen), beruft man sich nun auf eine völlig hypostasierte Spontanität, deren Charakterisierung als „viral“ doch schon aufmerken lassen sollte, und darauf verweist, dass man damit als „Bekämpferinnen von sexueller Gewalt“ dem Guerilla-Marketing nähersteht als jenen „Frauen, denen es mit dem Feminismus ernst ist“[8] – was dies bei Irmschler und ihren Geistesschwestern auch immer bedeuten mag. Man könnte einwenden, dass es sich sehr wohl um eine (bewusstlos) angeeignete Kampagne handelte, was von der ursprünglichen Stifterin Tarana Burke, Mitarbeiterin in einem „rape crisis center“, selbst auch angemerkt wurde: “It wasn’t built to be a viral campaign or a hashtag that is here today and forgotten tomorrow.”[9]

Die „Frage, woher »der Netzfeminismus« zurückgekommen sei“, hat Burke damit schon beantwortet: aus dem Orkus des Vergessens, in den er auch bald zurückkehren wird, bis es einen neuen Anlass gibt, der dem spontanen Treiben wieder etwas Aufwind verschafft. Anstatt sich also zu fragen, was #aufschrei auch nur ansatzweise gebracht hat, wiederholt sich dies. Es wird ohne auch nur eine Reflexion direkt angeknüpft, denn Aufschrei habe schließlich bewiesen: „Heute liegt Solidarität auf der Straße, also im Internet.“[10]

Anstatt schon an diesem eigenen Satz zu erkennen, wie sehr der Begriff der „Solidarität“, dessen Begriffs- wie auch Ideengeschichte diesbezüglich einigen Zündstoff böte, noch weiter zur Phrase herabgewirtschaftet wird, beklagt sich Paula Irmschler hingegen über „Vorverurteilungen“, welche über #metoo ausgegossen werden würden, von denen als konkrete sie selbst sich aber im Falle Gina-Lisa Lohfinks noch nicht einmal nach einem Freispruch der Beschuldigten abbringen ließ.[11] Das ist so neu nun wahrlich nicht, da schon im Zuge der Ausnahmslos-Kampagne zu beobachten war, wie gewisse Feministinnen „sich selbst plötzlich als Verfechter einer allgemeinen Unschuldsvermutung aufspiel(t)en. Dabei haben viele dieser Kritiker diese durch das Konzept der Definitionsmacht unzählige Male im ganz konkreten Fall demontiert oder zumindest das theoretische Rüstzeug dafür geliefert. Die Unschuldsvermutung, die schon jahrelang vielen Personen vor allem in der linken Szene ganz explizit nicht gewährt wurde, soll nun plötzlich für den Islam und auch für die Sexualität gelten.“[12] Und hier jetzt also auch für #metoo, Netzfeminismus oder Ähnliches. Dabei dürfte es doch nicht allzu schwer zu begreifen sein, dass die Unschuldsvermutung und dementsprechend der Verzicht auf Vorverurteilungen für Personen gilt, und sich auch dort nur auf Straftaten bezieht, und nicht auf irgendwelche anderen abstrakten Phänomene.[13]

Genau umgekehrt jedoch bei Irmschler: Unschuldsvermutungen gelten ihr nur für bestimmte Abstrakta, nicht für Personen. Und genauso abstrakt bleibt letztlich der Gegenstand. Es sei, zumindest immer, wenn es gerade in den Kram passt, „ein größeres Problem“, nämlich die „gesellschaftliche Macht und Misogynie“. Gezielt wird hiermit auf die allerabstraktesten „Probleme“, die, weil dermaßen schwammig, praktischerweise mit den allerkonkretesten, unmittelbarsten Erlebnissen gefüllt werden können und müssen, wobei jedes einzelne Erlebnis immer das Problem als Ganzes vertritt. „Kritik“ an diesem Erlebnis-Positivismus aber könne nur „aus der bequemen Außenseiterrolle“ kommen. Es wäre natürlich zu fragen, inwiefern „Außenseiterrolle“ und „bequem“ wirklich gut zusammenpassen. Insbesondere aber nennt niemand außer Irmschler diese Leute „kühn“ oder „mutig“, und außer Irmschler imaginiert auch niemand gleichzeitig eine Situation, in der diese Außenseiter die Millionen Frauen „zum Stillsein verdonnern“ oder gar „sie klein halten“ könnten; von der Unterstellung, dass sie es überhaupt wollen, einmal ganz zu schweigen. Eben dies ist diese absurde Verkehrung, welche wahrlich nicht nur Irmschlers Trademark ist; so dass man anlässlich einer Veranstaltung mit einem Bahamas-Redakteur, zu der niemand gehen muss, bei der man sich etwas vortragen lassen und diskutieren, aber gleichzeitig jederzeit gehen kann, von irgendeiner Kommentatorin lesen kann: „Respekt allen Feminist_innen, die sich getraut haben, hinzugehen.“[14]

Das Gerede vom fremden, in der Regel männlichen „Mut“ (sowie den Differenzierungen „Kühnheit“ oder „Tapferkeit“) ist eine der zentralen Unterstellungen der Texte Irmschlers; kaum einer scheint ohne diese Vokabel, die sie ihren ausgemalten Feindbildern anheftet, auszukommen. Die Herkunft dieser Projektion kann man ihrer Selbstoffenbarung entnehmen: „»Das traue ich mir noch nicht zu«, ist ein Satz, den ich mich zu oft sagen höre.“[15] Gegen den Satz selbst ist nichts einzuwenden. Nur die größten Narzissten werden ihn nie zumindest denken. Aber nur weil man eingestandener Weise selbst im Dauerzustand feige ist oder sich so fühlt, sind nicht alle anderen automatisch mutig oder imaginieren sich als Heroen. Offensichtlich wird vielmehr, dass die Projektion des Muts nur der eigene Wunsch ist, welcher sich in der permanenten Verkehrung in das genaue Gegenteil der eigenen als Schranke erkannten, doch darüber hinaus weitgehend unbestimmt bleibenden Angst artikuliert. Es ist derselbe Mechanismus im Zuge dessen auf Scham mit irgendwelchen Pride Parades „geantwortet“ wird, ohne zu bemerken, wie sehr diese der ursprünglichen Scham verhaftet bleiben, und sie in der Unterdrückung noch befeuern und sedimentieren.[16]

„Über neueste Brüche des vermeintlichen Tabus, Feministen zu kritisieren, das eben keines ist“ – lautet der Untertitel ihres Andersfrauen-Artikels, in dem Irmschler behauptet, es würden Leute behaupten, es sei ein Tabu, Feministinnen zu kritisieren, damit Irmschler dann berichtigen kann, dass es kein Tabu sei, weshalb diejenigen, die dieses nichtexistente Tabu angeblich meinen zu brechen, auch nicht so mutig seien, wie Irmschler ihnen unterstellt, dass sie dies von sich denken und behaupten. Natürlich ist schon der Untertitel eine Tautologie, denn ein „vermeintliches Tabu“ ist definitionsgemäß eines, „das eben keines ist“, womit vor jedem weiteren Inhalt die Argumentationsweise schon verraten war. In eben jenen Dauerverkehrungen ist es dann auch wahrlich kein Wunder, dass die Betreffenden Kritik, die in aller Regel erst einmal ein Gesprächs- oder Diskussionsangebot darstellt, nur als Sprechverbot („zum Stillsein verdonnern“) auffassen können, das über sie angeblich verhängt wird. Aber die Fronten sind schließlich eh klar: die „echten Frauen“ sind in ihrer Reinheit gut bis perfekt, wie sie sind; alles „Böse“ wird externalisiert und verkörpert sich in den „Andersfrauen“ sowie „Menners“ bzw. hier: „Die kühnen Kritiker […] sind sich nicht zu schade, Frauen, die von Belästigung und sexueller Gewalt berichten, anzudichten, sie wollten sich wichtig machen, berühmt werden oder gar Geld damit verdienen.

So etwas in der Art dürfte sie zwar in meinem Text im Dschungel nicht gelesen haben, so sehr ihre Art Positionen, Urteile und Texte durcheinander zu mischen, dies auch suggeriert. Hingegen waren es bei ihr die „Andersfrauen“, welche sich mit ihrem „Andersfrauen-Job“[17] und Männergeld anscheinend eine goldene Nase verdienen, während die authentischen Frauen, ohne die „gutbezahlten Aufträge“ vor sich hin darben.[18] Nun muss hier natürlich auch unterbelichtet bleiben, dass in jenen „vielgelesenen Medien“ durchaus in mindestens demselben Ausmaß jene „echten Frauen“ ihre Pro-Metoo-Texte veröffentlicht haben, also dasselbe „Privileg“ teilten, und sicher nicht zu einem schlechteren Satz vergütet wurden. Der Neid aufs Geld richtet sich viel eher auf jene Frauen, die nahezu dasselbe schreiben wie die nicht- oder schlechtbezahlten Feministinnen, dafür aber entlohnt werden, darf aber an diesen selbstverständlich gar nicht offen zutage treten, denn man dient ja schließlich derselben Sache. Also sind es die Andersfrauen und Männer, mit denen Irmschler plötzlich nicht mehr in inhaltlicher Auseinandersetzung, sondern bloß mehr beruflicher Konkurrenz steht, denn während sie sich fragt, ob sie denn überhaupt berühmt werden wolle, „sind jedenfalls schon wieder fünf männliche Autoren an mir vorbeigezogen.“[19]

#MeToo (c) Grainne Rhuad

#MeToo (c) Grainne Rhuad

II. Ich-Demagogie und die Vergewaltigung für uns

Die „Replik“ Paula Irmschlers zeichnet sich durch eine im schlimmsten Sinne demokratische Argumentation aus, die auf pure Masse setzt. Das meiste spielt sich innerhalb der demagogischen Sprache ab, an der sich gut zeigen lässt, wohin die Reise hätte gehen sollen, wäre man nicht in einer Zeitung zu ein klein wenig Sachlichkeit verpflichtet, und müsste somit nicht Facebook-Postings und -Kommentare, die man zu einem Artikel formt, noch etwas umformulieren.[20] Der von ihr bemängelte Artikel sei in erster Linie „Abwehr“. Bei der Frage, was da denn abgewehrt würde, muss es zwangsläufig in eine Argumentation ad hominem übergehen.

Jene Paula Irmschler, die sich immer wieder darüber beklagt, das ominöse „man“ würde ihr und anderen Feministinnen vorwerfen, „hysterisch“ zu sein, sie also psychologisiert, wobei sie den Nachweis, wer dies denn tue, in aller Regel schuldig bleibt, geht selbst einen guten Schritt weiter und ist sich nicht zu schade, aus einem Artikel, ein direktes und konkretes Alltagsverhalten bzw. alltäglich erfolgtes und zukünftiges Fehlverhalten und sogar Übergriffigkeiten abzuleiten, die sich der Gegenseite vorwerfen und unterstellen lassen. Immerhin „könnte [jenes] man selbst zumindest mitschuldig sein. Weil man weggesehen hat. Oder weil man selbst übergriffig war.“ Da diese seichte Möglichkeit aber nicht ausreicht, rutscht der noch latent einschränkende Konjunktiv zwei Zeilen später in den explizit anklagenden Indikativ: „Der Netzfeminismuskritiker mag nur über Justiziables sprechen, weil das bedeutet, dass man mit allem anderen weiter durchkommen kann.“ Das unbestimmte „man“ zieht das „selbst“ nach; meint also, „dass man selbst mit allem anderen weiter durchkommen kann.“ So wird also aus einem Text, der sich dafür aussprach, den Opfern von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung gerecht zu werden, der bewusste und nur psychotechnisch verschleierte Wunsch, „weiter“ belästigen zu können, „extrahiert“.

Das Motiv der Kritik stamme demnach ausschließlich aus niederen Beweggründen, der Text ist also eine (mehr schlecht als recht rationalisierte) Triebtat. Dem gegenüber stehen die „Bedrohungslagen“ Irmschlers – ein Begriff, der dem Katastrophenschutz und Polizei- bzw. Geheimdienstsektor entnommen ist, hier aber dafür steht, dass jeder Mann, der eine Frau in einer ihr unangenehmen Weise anschaue bzw. anmache, sie auch vergewaltigen könne: „Man weiß nicht, wo der Täter seine Grenzen ziehen wird. Manchmal hat man nur Glück.“ Nicht nur wird somit suggeriert, es wäre der bloß glückliche Ausnahmefall nicht tagtäglich vergewaltigt zu werden, sondern auch absichtlich verkannt, dass der Täter erst einmal durch das Überschreiten einer bestimmten Grenze zum Täter werden muss, was er durch einen Blick nun einmal nicht wird. In diesem Sinne wird sogar der Begriff der Vergewaltigung von Irmschler an anderer Stelle recht geschickt, und das heißt widerlich, umgemodelt: „Eine Vergewaltigung an sich, als etwas, das Mädchen und Frauen ständig zustoßen kann, ist traurige Normalität.“[21]

Natürlich zielt der Satz darauf, dass hängen bleibt, die Vergewaltigung sei „traurige Normalität“. Aber Irmschler hat mit ihrer Wortwahl selbst eingestanden, was für sie die „Vergewaltigung an sich“ sei: sie gelte eben primär „als etwas, dass Mädchen und Frauen zustoßen kann“, und so ist die abstrakte Drohung und Angst vergewaltigt zu werden, schon die Vergewaltigung selbst. Nun heißt „an sich“ zwar, dass etwas unabhängig vom Bewusstsein des Betrachters Bestand habe, und Irmschler schreibt schon deshalb über die „Vergewaltigung für sich“, aber auch das nicht als konkret erfolgte Straftat, was als einer anderen Person widerfahrene der offizielle Anlass des Textes war, sondern als potenziell ihr selbst wahrscheinlich (worauf das „ständig“ hindeutet) noch erfolgende.[22]

Es ist also nicht mehr Unglück vergewaltigt worden zu sein, sondern Glück nicht vergewaltigt worden zu sein. Solch ein „Perspektivwechsel“ ist keineswegs gleichgültig oder unschuldig. Diese Verklärung einer „ständigen“ Drohung zur Realität und Tat erfolgt aus einer zwar durchaus verständlichen, aber nichtsdestotrotz falschen Motivation. Derart werden nämlich aus den 13%, welche Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen erlitten haben, 83% oder gleich 100%, denen sie sowieso noch drohen, was sich in jedem männlichen Blick manifestiere, andeute und tendenziell schon vollziehe. Auch Alice Schwarzer war sich nicht zu blöde, die Frage „Ist jeder Mann ein potenzieller Vergewaltiger?“ in ihrer Doktor-Sommer-Rubrik der Emma „Frag Alice“ zu beantworten und auch noch zu bejahen: „Genauso [wie Schwarzen mit Weißen] ergeht es uns Frauen mit den Männern. Wir wissen, dass viele nett sind. Aber: Wir haben keine Garantie. Jeder Mann könnte, so er nur will, zum Frauenhasser werden. Denn Frauenhass ist allgegenwärtig und ein gesellschaftlich wenig geächtetes Muster. Jeder Mann könnte auch, wenn er wollte, zum Vergewaltiger werden. Und wir Frauen müssen dankbar sein, wenn es nicht so ist.“[23] Auch hier ist es die Formulierung, eine Frau möge „dankbar“ sein, wenn es denn nicht passiert, und nicht etwa wütend, traurig, verletzt oder so, wenn es einer passiert, die suggeriert, die nichtvergewaltigte Frau sei nicht die wenigstens relative Norm, auf der sich wahrlich nicht auszuruhen ist, sondern es sei quasi ein Privileg.

Dass in dieser „Logik“ auch jede Frau eine potenzielle Vergewaltigerin ist, wenn sie denn wollte, da auch sie zur Frauen- oder Männerhasserin werden kann, – als wäre dies überhaupt der einzige Zusammenhang – spielt hierbei selbstverständlich keine Rolle. Fakt ist doch, dass nicht jeder und auch noch nicht einmal ansatzweise jeder Mann zum Vergewaltiger wird, wenn es auch viel zu viele tun. Eben diese Vorstellung jedoch des allgegenwärtigen Vergewaltigers ist letztlich nur der „Vergewaltiger für uns“, und nicht jener „an und für sich“, um den es in der Kritik, Theorie und Praxis doch gehen sollte. Dann aber wäre sich vom abstrakten möglichen Vergewaltiger – also dem ominösen „Schwarzen“ oder „Fremden Mann“ jener Geschichten, mit denen schon Kindern genau jene Vorstellung eingebläut wird, zu lösen. Damit würde jedoch einhergehen, dass man sich im selben Moment von der Illusion verabschiedet, dass man als Frau schon potenziell vergewaltigt wurde.   Absurd ist dabei auch die Unterstellung, dass man nicht tendenziell oder gar ständig ähnliche oder dieselben Ängste hat, dass man sich also auf nächtlichen Straßen nicht fürchten würde, sich nicht irgendwohin begleiten lassen müsse oder Vergleichbares. Es gibt aber triftige Gründe, diese Ängste nicht zum unmittelbaren Inhalt der Textproduktion zu modeln: In meinem Fall, sofern solch ein Seelenstriptease hier einmal ausnahmsweise erlaubt sei, wäre das unter anderem schlichtweg eine Angststörung, die aber in die Reflexion mit einfließen muss, soll sie nicht fälschlicherweise als objektive Realität ausgegeben werden. In diesem recht handfesten Sinne meint und trifft Kritik auch immer die Person mit, die sie äußert. Und gerade an dem Beispiel der Angst, die man auf der Straße hat und die in der Regel weit häufiger und stärker ist als in den eigenen vier Wänden, zeigt sich schließlich die tendenziell irrationale Komponente jener Angst, da Irmschler wie auch ich wissen, dass die meisten Vergewaltigungen in den eigenen vier Wänden geschehen sowie in bestehenden Beziehungen, in denen also, ganz platt gesagt, die „blöde Anmache“ beispielsweise nicht mehr in dem suggerierten Sinne vorkommt.

Verdoppelung der Ängste…

So lautet auch der Vorwurf eben keineswegs, diese Reflexion nicht im eigenen Alltag jederzeit vollziehen zu können, sondern dass für Texte andere Maßstäbe gelten sollten als die eigenen Ängste. Auch das hat weniger mit dem von Irmschler immer wieder erwähnten „Mut“ zu tun, sondern erst einmal mit der notwendigen Realitätsprüfung. Weiß man, dass man ein wenig irre ist, kann man dies ansatzweise reflektieren, vor allem aber muss man sich kein Feindbild eines „Bravehearts“ aufbauen, der man selbst gern wäre. Wer jenen suggestiven Gebrauch der eigenen Sprache nicht einmal ansatzweise bemerkt, dürfte es tatsächlich schwer haben, zu bemerken, dass bestimmte Formulierungen oder nivellierende Aneinanderreihungen Formen der Relativierung darstellen.

Fraglich bleibt, wer genau, „jahrhundertelang (!) Frauen den Kampf um ihre Rechte überlassen, Sexismus zum Nebenwiderspruch erklärt und sich zurückgelehnt“ hat. Wer ist nun dieses Kollektivsubjekt? Wer hat Irmschler jahrhundertlang im Stich gelassen, die doch selbst ungefragt aller Öffentlichkeit kundtut, dass sie selbst vor vier Jahren „noch nicht eingebunden in feministische Zusammenhänge (gewesen war), nirgends publiziert (habe), nichts von all jenen politischen Grabenkämpfen (verstanden habe), die ein unbedarftes Äußern so schwierig machen“; dass sie demnach ein selbsterklärtes „Küken“ in feministischen Zusammenhängen ist, die erst durch Aufschrei in diese Richtung politisiert worden sei?[24] Vier Jahre später scheint sie hingegen schon das Hausrecht für den Feminismus zu reklamieren.

Irmschler geht es „darum, ein besseres gesellschaftliches Klima zu schaffen, es geht um Folgen, es geht um Bewusstwerdung.“ Nur ist der angestrebte feministische Klimawandel eine bloße Verdopplung der Ängste und Wünsche Irmschlers, denn weit eher als um die Folgen geht es um das Folgen, dessen Notwendigkeit erst bewusstwerden müsse. Auch ihre Kolumne im Neuen Deutschland namens „Abgebügelt“ verrät mit dem Titel schon recht gut den bewusstlosen Anspruch, die Widersprüche bloß zu glätten, statt sie zu entfalten: dort „kümmert sich“ Irmschler „um Dinge, denen man nur mit Heißdampf begegnen kann.“[25] Im selben Moment ist es dann kein Wunder, dass jede Person, die meint, dass irgendetwas in der Vergangenheit einmal ein Versprechen beinhaltet hat, das verlorenging, nicht nur bloß nostalgisch ist, was schon falsch wäre, sondern gleich „an den Naziopa (erinnert), der nicht begreifen will, dass der Krieg verloren ist und seine Idee nicht überleben wird.“[26] Konkreter heißt es: „Ja, es gibt Dinge, die an Debatten und Entwicklungen zu kritisieren sind. Aber es gibt keine Zeit, die besser gewesen wäre als jetzt.“ Was sich in Bezug auf die rechtliche Situation von Frauen (und Homosexuellen) durchaus unterschreiben ließe. Aber auch hier besteht das Feindbild wieder aus zwar ungenannten, aber „mutige(n) Männer(n) und Frauen um die hundert“, die, folgt man der Argumentation Irmschlers, angeblich „Homos (… wieder) in den Knast“ zu schicken und „Ehefrauen“ wieder „straffrei“ zu vergewaltigen gedenken.

… durch Realitätsverweigerung

Die Quellen bleibt sie nicht ganz zufällig schuldig. Diesem Fortschritts-Extremismus, also eigentlich genau das, „woran der weiße Mann geglaubt hat“ und woran Irmschler noch heute oder heute wieder glaubt, kann die gesamte Vergangenheit ausschließlich als „Naziopa“ erscheinen. Als wäre nicht längst bekannt, dass in diesen Kreisen jeder Traum, der nicht eine bloße Verlängerung des Selbst und Jetzt ist, aus ist und aktiv begraben wird, letztlich „der Suche nach Halt und einer Peer-Group, die ihr ein Zuhause gibt“ geopfert wurde, hält sie noch einmal für alle fest: „Es ist Zeit, Opa zu sagen: Woran du glaubst, ist Unfug. Der Traum ist aus. Zum Glück.[27] Übersetzt heißt dies: „Vorwärts immer – Rückwärts nimmer!“, worin der Verzicht auf das zumindest kurze Innehalten, das zum Denken ab und an nötig ist, schon beschlossen liegt. So ist es wahrlich kein Wunder, dass laut Irmschler auch die „Höflichkeit“ auf den Müllhaufen der Geschichte gehört.

Leuten wie Irmschler gehört die Welt, wie sie ist, weil sie sich ihr und in diesem Sinne natürlich auch ihrem eigenen Publikum, wie es ist, bloß gleichmachen. Eben deshalb lautet der Vorwurf, würde man sich ein wenig Mühe geben, ihn zu verstehen, auch nicht, „dass sie jetzt aber zu weit gehen“, sondern dass sie niemals weit genug gehen bzw. konkret genug werden, weshalb in der Tat „ihr Tun sinnlos“[28] ist. Als wären Feministinnen und andere Frauen nicht im Idealfall immer auch als immanente Kritikerinnen der weiblichen Konstitution selbst auf den Plan getreten, kann Irmschler schlichtweg verkünden: „Frauen sind übrigens keine Kinder [die jedoch sie und niemand sonst überhaupt erst ins Spiel gebracht hat], dementsprechend sind sie selbst in der Lage, das ihnen Angetane einzuordnen.“ Also irrt schlichtweg die Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nach der über die Hälfte bis zwei Drittel der Betroffenen dies nicht vermag, ohne dass irgendjemand außer Paula Irmschler daraus folgern würde, dass sie unreife Gören seien. Wohl aber ließe sich daraus schließen, dass dies ein enormes Problem darstellt, wozu Irmschler wiederum partout nicht bereit ist. Hunderte oder tausende Seiten Studien, Analysen oder ähnliches kommen schlichtweg nicht an gegen die Alltagserlebnisse der ideellen Gesamtfrau Irmschler, weshalb eine Studie, die zu lesen durchaus anstrengend ist bzw. wäre, mit einem Satz vom Tisch gewischt werden kann.[29]

Eben dies aber ist jene Verweigerung der Auseinandersetzung mit der Realität, die beispielsweise auch Tarana Burke kritisierte, ohne dass man mit deren Analyse automatisch übereinstimmen muss. Selbst Anne Wizorek, die Initiatorin von „Aufschrei“, meinte in ihrer Reflexion der eigenen Kampagne: „Ein Problem der Sexismus-Debatte im vergangenen Jahr war sicherlich, dass zu wenig mit wissenschaftlichen Zahlen gearbeitet wurde“,[30] um letztlich auf dieselbe Studie zu verweisen, wenn auch mit anderer Absicht. Im Gegenzug zu dieser hätten aber anscheinend nicht nur Milano, sondern auch endlich Millionen Frauen „begriffen, dass es um ein größeres Problem geht, um gesellschaftliche Macht und Misogynie.“ So radikal diese Behauptung daherkommt, verlangt sie den Subjekten kaum etwas ab, ist sehr viel gefälliger und genehmer als dies bewusst sein dürfte. Es verlangt nur Einverständnis („Like, wer kennt“); von männlicher Seite vielleicht noch ein paar öffentliche Lippenbekenntnisse á la #howiwillchange.[31]

III. Niemand hat vor, Vergewaltigungen zu relativieren…

Noch einmal betont werden sollte, dass das Problem der mangelnden Differenzierung selbstverständlich schon vor #metoo bestand, und auch nicht durch #aufschrei plötzlich erst in die Welt kam. Das entschuldigt aber nicht, dass diese Kampagnen genau jene Tendenz fortführen, verallgemeinern, verfestigen und letztlich verstärken. Auch jene schon genannte Initiatorin der damaligen Aufschrei-Kampagne hat neulich im Interview noch einmal ganz gut vorgeführt, wie die Relativierung von Vergewaltigung konkret abläuft: „Insgesamt ist es aber auch einfacher zu sagen: „Harvey Weinstein ist ein Sexist und Vergewaltiger“ als zu überlegen, welche Strukturen zu sexueller Belästigung führen. Nämlich Sexismus.[32]

Die Vergewaltigung fällt somit einfach zugunsten der sexuellen Belästigung und des Sexismus unter den Tisch; Harvey Weinstein ist dann nur noch Sexist statt mutmaßlicher mehrmaliger Vergewaltiger. Ähnlich bei Irmschler, die Vergewaltigungen nicht nur in die diskursive Nähe von „Einzelfällen“ rückt,[33] sondern bei der ferner die Freiheit des Analogieschlusses mehr als nur latent überstrapaziert wird, um ein „Argument“ hervorzubringen: „Es ist, als beschwere sich ein Kind darüber, dass es gemobbt und beleidigt wird – und Lehrer sagen, dass es damit Straftaten wie Mord relativiere.“ Tatsächlich wäre für den von ihr angegriffenen Text, wollte man ihm nicht bloß ausweichen, nur das Gegenteil von dem richtig; was nur beim Mord, der hier als einziges konkretes Beispiel fällt, eben kaum funktioniert, da definitionsgemäß kein Kind, das ermordet wurde, mehr zu einem Lehrer rennen kann. Dass Beleidigung und Mord hier plötzlich auftauchen, beweist die Unfähigkeit, einen Gegenstand konkret zu betrachten, bei der gleichzeitigen Unterstellung, die Gegenseite führe nur „Kämpfe gegen Pappkameraden.“[34]

"All stories are significant" @Thaaksi_Art (Twitter).

„All stories are significant“ @Thaaksi_Art (Twitter).

Überspitzt wäre deshalb eher sagen: #metoo ähnelt jenen Freundinnen, die, nachdem man ihnen von einer erlittenen Vergewaltigung berichtet, anstatt beim Thema und in dem Fall bei der konkreten Erfahrung der betreffenden Person zu bleiben, sofort anmerken, dass man ihnen auch schon an den Hintern gefasst habe. Um solche Aneignung zu unterlassen, braucht es noch nicht einmal besonders viel Empathie, sondern nur Grundzüge von logischem Denken und die Fähigkeit zu sinnerfassendem Lesen, welche man ab und an auch einmal auf die eigenen Texte anwendet. Wie nämlich kann man – ausgerechnet unter der an Ulbricht erinnernden Teilüberschrift „Niemand will »Täter jagen« oder »den Flirt« kaputt machen“, schreiben „Keine Frau hat übrigens gefordert, dass ein Angrapschen im Club zur Verhaftung führen soll“, wenn man ein paar Sätze später „die Verschärfung des Sexualstrafrechtes“ als feministisches und demnach tendenziell eigenes Verdienst hervorhebt, in dessen Zuge doch die „sexuelle Belästigung mit körperlicher Berührung“ zur Straftat wurde? Oder wie kann man ernsthaft behaupten, „die wenigsten haben dabei eine »Täterjagd« (Gensler) im Sinn“, wenn man selbst verkündet: „Aaaah ich will keine feministischen Hashtag-Kampagnen mehr auf Twitter, ich will richtige Konsequenzen und aufs Maul[35]? Davon abgesehen, dass der Satzteil „ich will (…) aufs Maul“ als message mit Sicherheit nicht der Intention Irmschlers entspräche, meinen „richtige Konsequenzen“ und „aufs Maul“ hier eh schon dasselbe.

Tatsächlich ist nicht Thema, „warum sich Feministinnen nie um dies oder jenes scherten“, also warum sie nicht über dieses und jenes schreiben, sondern nur was sie schreiben und dabei eben auch, um das, was sie schreiben, um die Ahnung davon, dass sie (auch) über „dies oder jenes“ schreiben sollten, abzuwehren. Es sind Sätze wie: „Doch die unter #metoo gesammelten Erfahrungen sind eben nicht trennbar.“ Für Irmschler sind sie es tatsächlich nicht, und dürfen es gar nicht sein. Wären sie nämlich trennbar – und sowohl „unterscheiden“ als auch „differenzieren“ bedeuten „trennen“ -, könnte es plötzlich sein, dass man eventuell nicht mehr mitreden darf. Und zwar nur, weil man sich durch das Pathos des Sprechortkitsches und Betroffenheitskultes selbst ausschließen „und zum Stillsein verdonnern“ würde. Wiewohl man sich doch immer auch schnell noch selbst mit ins Boot holt – es seien im Falle von #metoo „die Opfer und die Bekämpferinnen von sexueller Gewalt, die sich gerade äußern. Und die, die mit ihnen solidarisch sind.“ Mit wem, also ob mit den Opfern oder den Bekämpferinnen, jene „die“ solidarisch sind, bleibt dabei natürlich auf der Strecke, ist auch völlig gleichgültig, wenn die Betroffenheit von etwas und der Kampf gegen etwas anscheinend die gleiche „authentische“ Erfahrungswelt begründet.

Sexualstrafrecht

Anlässlich des Prozesses gegen Lohfink, verkündete Irmschler, warum es nicht in ihrem Sinne „vorwärts“ ginge;

Möglich ist das alles, weil wir noch immer und auch in Deutschland in einem Klima der Rape Culture leben, in dem es Alltag ist, dass Frauen auf der Straße oder in vermeintlich geschützten Räumen bedroht, kommentiert, belästigt und körperlich angegriffen werden. In dem insbesondere Frauen Angst haben, das Geschehene anzuzeigen, weil ihnen nicht geglaubt wird, weil sie gefragt werden, was sie für Klamotten trugen, ob sie unter Drogen gestanden hätten, und immer wieder: warum sie sich nicht ausreichend gewehrt haben. Ein Klima, in dem die Schuld immer wieder bei den Betroffenen gesucht wird. Und in dem es immer wieder Witzeleien, Verharmlosungen und kein Sexualstrafrecht, dass ausreichend Wirkung zeigt, gibt.“[36]

Statt Zahlen, die der androzentrischen Arithmetik zu nahestehen, auch nur zu betrachten, verlässt man sich auf einen und bastelt mit an einem Narrativ, der von diesen unberührt bleibt – eben dies sind jene kritisierten Justizmythen, also Mythen über die Justiz, die die Vergewaltigungsmythen, welche innerhalb der Justiz nach wie vor existieren, nur ergänzen und verstärken statt gegen sie zu wirken. Es handelt sich gewissermaßen um feministische „alternative Fakten“, über die Irmschler in Bezug beispielsweise auf die Einstellungsquoten von Verfahren hätte lesen können:

„Keineswegs erfolgten diese Einstellungen nur aus Bösartigkeit oder wegen notorischer Zweifel der Staatsanwaltschaft. Vielmehr gingen über 40 Prozent dieser Einstellungen darauf zurück, dass das Opfer entweder keine Aussagen zum Tathergang machte (22 Prozent) oder aber die Tat sogar bestritt und seine Aussage revidierte (19 Prozent); dann erst folgt als Einstellungsgrund mangelnde Glaubwürdigkeit, widersprechende Zeugenaussagen et cetera. In »nur« 16 Prozent der Einstellungen wurde als Grund das Fehlen von Nötigungsmitteln genannt. Das heißt: 41 Prozent aller eingestellten Fälle wurden aufgrund mangelnder Mitwirkung oder gar aufgrund Gegenwirkung der mutmaßlich Betroffenen eingestellt, während Fälle, auf die sich die Nein-heißt-nein-Reform bezieht, nur einen deutlich geringeren Teil darstellen. Anstatt das zu thematisieren, malt man ein schreckenerregendes Bild der Justiz und bewirbt das Konzept der Definitionsmacht“[37], dessen Anwendung Irmschler im Falle Lohfinks ja recht anschaulich auch selbst vorgeführt hat.

Wenn Irmschler also schreibt, „dass es feministische Gruppen gibt, die von Anzeigen abraten, was in der Tat problematisch ist“, müsste sie entweder endlich ihre Erzählweise etwas ändern bzw. bestenfalls aufhören einfach nur zu erzählen oder aber einsehen, dass sie selbst, zwar ohne offensives Abraten, aber mit viel Storytelling, zu genau jenem Strang gehört, da ihr mindestens 40 Prozent der Verfahrenseinstellungen vor Gericht schon vorab völlig egal sind, weil diese auf die Frauen und ihr Verhalten im Rahmen der juristischen Aufarbeitung, und keineswegs im Zuge des Tathergangs, selbst verweisen. Jenes Verhalten also, das sich tendenziell zumindest auch ändern müsste, soll das Recht seine Geltung entfalten, um wenn schon nicht jene unmögliche „Garantie“, welche sich Schwarzer und Irmschler wünschen, so wenigstens das Abschreckungsmittel darzustellen, als das es tendenziell intendiert ist. [38] Wer hingegen meint, dass dies partout nicht möglich sei oder Victim Blaming darstelle, sieht und macht die Opfer von Vergewaltigungen sogar noch unmündiger als die von Irmschler ins Spiel gebrachten Kinder. Fraglich bleibt letztlich auch, wieso es für Irmschler keineswegs „problematisch“ zu sein scheint, dass ihre Genossin Jana Klein in der Jungle World, also derselben Zeitung, vor nicht einmal zwei Jahren schrieb: „Natürlich ist auch heute noch meist davon abzuraten, eine Vergewaltigung anzuzeigen.[39] Es dürfte also deutlich geworden sein, wer hier etwas abwehrt, sowie, dass Irmschler selbst und ihr Umfeld mit der Kritik der Mythen die ganze Zeit unwissentlich durchaus gemeint und angesprochen waren, wodurch der Charakter ihrer Replik erst deutlich wird.

Dabei vermerkte Dora Streibl in der Jungle World einmal völlig zurecht: „Wie antirassistisch es ist, Muslime vor Kritik zu schützen, weil man meint, dass Vernunft und logische Argumente eurozentristisch seien, beziehungsweise dass die Kultur in arabischen Ländern einfach nicht verstehe, wer Antisemitismus verurteilt, kann dann vielleicht unter dem nächsten Hashtag geklärt werden.“[40] Makabererweise hat sie natürlich im gesamten weiteren Text munter das Rüstzeug geliefert, um genau jene Kritik zu unterlassen. „Wer Frauen, um ihrer selbst, jedoch gegen ihren Willen, das Kopftuch ausziehen möchte“, mag damit laut Streibl zwar irgendwie Recht haben, „blendet jedoch die real existierenden patriarchalen Verhältnisse aus.“ So blieb ihr Einwurf nur ein bloß diskursiver Vorbehalt im innerfeministischen Konkurrenzkampf gegen Leute wie Hengameh Yaghoobifarah und Laurie Penny, gegen jene Personen also, die das Maß etwas zu sehr überstrapaziert haben, weshalb sich der Artikel umgehend gegen „eine häufig rassistisch anmutende, aber antisexistisch begründete Islamkritik“ wendete. Auch hier reicht ein Blick auf die Sprache, die nicht ganz mitmacht, was in ihr eigentlich ausgedrückt werden sollte. Nennt man Islamkritik „eine häufig rassistisch anmutende“, also eine nur rassistisch „erscheinende“ oder „gefühlte“, dagegen aber „antisexistisch begründete“, hat man somit das konstruierte Problem schon sprachlich selbst wieder einkassiert.

Zu hoffen wäre aber gemäß dem richtigen Eingangsimpuls von Streibl sehr wohl, dass auch die Frage, wie feministisch es ist, Frauen vor Kritik zu schützen, weil man meint, dass Vernunft, logische Argumente, Zahlen androzentrisch sind, hoffentlich endlich, und im Idealfall nicht (nur) unter einem Hashtag, geklärt wird. Stattdessen aber „urteilte“ Jana Klein anlässlich der Kölner Silvesternacht: „Der Ekel, den aufrichtig empfinden muss, wer (mit zum Allgemeinen fähiger Außenperspektive) muslimischen Frauen einmal intim zuhören darf, hängt daher auch vom Standpunkt und der unterstellten Norm ab. Er ist ein Gefühl, kein Urteil.“[41] Obwohl der kryptische Verweis auf eine „zum Allgemeinen fähige Außenperspektive“ doch gerade dem Standpunktdenken widerspricht, meint er bei Klein aber nur die Forderung, den wahren Standpunkt im Hauptwiderspruch, nämlich dem Geschlechterkampf, einzunehmen gegen das „erdumspannende Patriarchat“, dessen verschiedene Erscheinungen nur „eine Frage von Grautönen“ sei. Weshalb sich Klein auch darüber mokieren kann, dass natürlich wieder ungenannte Quellen „im Traume nicht daran (denken), sexuelle Belästigung, sexuelle Übergriffe und Vergewaltigung (…) differenziert zu diskutieren“.

Wird dies jedoch in einem Kontext getan, in dem es plötzlich nicht mehr darum geht, den Islam in Schutz zu nehmen, ist die Forderung nach Differenzierung plötzlich „Abwehr“, wenn man den auch laut Irmschler „problematischen“ Kleinschen Aufruf zur Nichtanzeige kritisiert. Scheinbar völlig „differenziert“ und ohne jeden „Kurzschluss“ ging es für Klein letztlich vor allem gegen „die ganze Heuchelei des deutschen Anstandes, der nicht einmal Einigkeit mit sich darüber erzielen wollte, dass Rainer Brüderle eine Journalistin belästigt hat.“ Als wäre die immer noch nicht justiziable sprachliche oder visuelle „Belästigung“ das klarer abgegrenzte im Vergleich zur sexuellen Nötigung, Vergewaltigung oder der mittlerweile strafbaren „sexuellen Belästigung mit körperlicher Berührung“. Was bleibt, wäre, dass wer nicht „zugibt“ – denn die „Einigkeit“ möge darin bestehen, dass und nicht ob  –, dass Himmelreich „sexuell belästigt“ wurde, über Vergewaltigung schweigen möge. Unerwähnt bleibt dabei unter anderem, dass die betreffende Journalistin, in deren Stimme Klein hier zu sprechen meint, übrigens selbst auch nicht von einer Belästigung sprach,[42] stattdessen aber die „Dirndltauglichkeit“ in einem Artikel über Ilse Aigner selbst als Charakterisierung für eine Frau verwandt hat, was man auch in der der Jungle World, hätte gelesen haben können.[43]

Alternative „Prozessbeobachtung“

In ähnliche Fußstapfen wie ihre hier angeführten Vorrednerinnen trat auch Veronika Kracher, die einen Artikel, anlässlich dessen sie „sich bei Jana Klein für intellektuellen Input“ bedankte, in der Konkret veröffentlichte und schrieb: „Während kaum eine Frau mit einer Falschbezichtigung durchkommt, bleiben Tausende Vergewaltigungen ungesühnt, weil in der Regel nicht mal das Anzeigen Sinn hat.“[44]

Es ist natürlich schon rein logisch einigermaßen fraglich, woher Kracher zu wissen meint, dass „kaum eine Frau mit einer Falschbezichtigung durchkommt“, denn das „Durchkommen“ bestünde doch gerade darin, dass man es nicht wüsste. Richtig, aber weniger brauchbar wäre der Satz, dass zum Glück kaum Frauen wegen Falschbezichtigung angeklagt werden, selbst wenn grundlegender Verdacht besteht, um Frauen nicht von künftigen Anzeigen abzubringen. Aber dies würde den Fall Lohfink in ein anderes und vor allem ungünstiges Licht rücken. Krachers „Belege“ für diese „Regel“ der vermeintlich sinnlosen Anzeige sind schließlich genau zwei Fälle; drei wenn man das von ihr zumindest erwähnte Urteil gegen Lohfink miteinbezieht. Der erste ist der widerliche „Fall einer 14jährigen aus Hamburg: Vier Jugendliche zwischen 14 und 21 machten sie Anfang des Jahres betrunken und missbrauchten sie vor laufender Handykamera. Anschließend ließen sie das Mädchen nur mit einer Bluse und Unterwäsche bekleidet bei niedrigen Temperaturen auf einer Matratze im Innenhof der Wohnsiedlung liegen.“ (Kracher) Die Frage ist nur, wieso dies als Beispiel gegen eine Anzeige dienen soll, denn die Angeklagten wurden hier verurteilt, wenn auch nur der volljährige Haupttäter zu einer Haftstrafe. Die anderen minderjährigen (Mit)Täter erhielten Bewährungsstrafen. Der Fall geht nun von beiden Seiten in die Revision, und wird im Januar 2018 neu verhandelt.

Ausschnitt vom #MeToo Survivors March am 12.11.2017 in Hollywood

Ausschnitt vom #MeToo Survivors March am 12.11.2017 in Hollywood

Nur war es auch hier die als böse und der Rape Culture verpflichtet imaginierte Staatsanwaltschaft, die die Urteile als zu milde befand, und dies weit bevor eine Petition mit 100.000 Unterschriften einige Wochen nach dem Urteil eine Neuauflage des Verfahrens forderte. Aber all das ist egal, denn es ging eh nur um die völlig widerwärtigen, aber für den Prozess irrelevanten Äußerungen des persönlichen Umfelds der Täter, für die in keinem Artikel Verständnis oder Ähnliches geäußert wurde. Interessant ist jedoch an Krachers Text, wie aus fünf Tätern plötzlich vier werden, wenn unter den fünf eine Frau ist, die ebenfalls verurteilt wurde. Bei Kracher läuft die Kamera scheinbar alleine auf einem Stativ, während es hingegen in allen anderen Medien hieß: „Eine 15-Jährige bekam ein Jahr auf Bewährung, weil sie das Verbrechen mit ihrem Handy gefilmt hatte.“[45] Das Opfer „wurde von einigen der Täter sowie einer 15-jährigen Bekannten des Opfers gefilmt, teilweise unter Gelächter.“[46] Ist aber längst alles Böse in den „Pimmelträgern der Nation“ vorgesehen, vergisst man schon mal eine der beteiligten Personen, die das sauber geschlechtergetrennte Schwarz-Weiß-Schema auch nur latent hätte durcheinanderbringen können, während man sich im selben Moment über „von den Medien reißerisch begleitete Gerichtsurteile“ beschwert, ohne sich damit als Veronika Kracher oder Paula Irmschler jemals auch nur ansatzweise selbst zu meinen.

Die immer wieder erhobene Forderung, dass man erst einmal vor der eigenen Haustüre zu kehren habe, hielt Kracher nun nicht davon ab, ihr zweites Beispiel aus den USA zu beziehen, um doch noch über einen wirklichen juristischen Skandal zu berichten. Es geht um den Fall Stanford-Starathlet Brock Turner in Kalifornien. Hier hat man ein Urteil, dessen Strafmaß in der Tat einen Skandal darstellt, da es unter anderem weit unter dem rechtlich vorgeschriebenen Mindeststrafmaß liegt.  Als Skandal wurde das Urteil in der US-amerikanischen Öffentlichkeit, einschließlich des damaligen Vizepräsidenten Joe Biden, aber auch behandelt, was wahrlich keiner Rape Culture entsprechen dürfte, in der ein derartiges Urteil eben kein Skandal sein dürfte, damit sie den Namen verdient.

Auch hier hatte sich die Staatsanwaltschaft massiv beschwert über das Urteil, wenn auch erfolglos. Es wäre natürlich auch erwähnenswert, dass Turner lebenslang öffentlich einsehbar als Sexualstraftäter in der Sex Offender Registry geführt werden wird, egal wie gering die konkrete Strafe ausfiel – was einigen hiesigen Feministinnen und Feministen nur allzu gut gefallen dürfte. Und wenn man aber schon in den USA ist, und suggeriert junge Männer mit der Aussicht auf eine sportliche Karriere würden dort automatisch milde Strafen erhalten, könnte man zumindest Brian Banks erwähnen, in dessen Fall „eine Frau mit einer Falschbezichtigung durch(kam)“, was ihn für fünf Jahre unschuldig ins Gefängnis und auf die Kartei für Sexualstraftäter brachte, und die betreffende Frau erst nach neun Jahren gestand.

Die jeweiligen bekannt gewordenen juristischen Fälle sind wichtig, da sie auf die verschiedensten Probleme, Mängel und Gefahren hinweisen. Das ist der oder zumindest ein Grund, warum sie in den Medien so ausführlich behandelt werden. Diese Fälle ernst zu nehmen, heißt aber gerade nicht, aus der ihnen innewohnenden Dramatik, Tragik oder Skandalträchtigkeit per se eine Regelmäßigkeit ableiten zu können, was aber aus verschiedenen Ecken mit jeweils unterschiedlicher Agenda immer wieder passiert.

Während Maskulinisten tatsächlich des Öfteren unterstellen, Falschbeschuldigungen wären die Regel und sich dafür das Bild einer feministischen oder oftmals sogar weiblichen Verschwörung ausmalen, ist es für Klein oder Kracher auf der anderen Seite die Regel, dass Anzeigen prinzipiell keinen Sinn ergäben, da generell nicht verurteilt werden würde und raten somit davon ab, wofür sie sich, wie im Falle Krachers, auf „eine toxische, durch und durch misogyne gesellschaftliche Struktur, die inzwischen unter dem Namen Rape Culture zusammengefasst wird“, berufen, für deren „Beleg“ Kracher streng auf der Höhe der Zeit ein Zitat aus dem Jahre 1904 anbringt.[47] So akkurat, wie sie in dem Beleg eines Zeitgeistes oder in der Prozessanalyse auftritt, gestaltet Kracher auch ihre Sprache:

„Entscheidet ein Gericht wie im Fall Gina- Lisa Lohfink auf Falschbeschuldigung durch eine Frau, klopfen sich die Pimmelträger der Nation auf die Schultern, wieder einmal wurde bewiesen, dass Vergewaltigungen eine Erfindung des intriganten Weibsvolks sind. Das kollektive männliche Gewissen wurde reingewaschen, und niemand muss sich mehr damit auseinandersetzen, selbst übergriffig sein zu können.

Der Sprung von der Vergewaltigung, um die es eigentlich geht, zur „Übergriffigkeit“ ist so unvermittelt wie jener vom Jahr 1904 ins Jahr 2016. Das scheint aber keinesfalls zu stören, entspricht es doch der allgemeinen Willkür beider Seiten im Zugriff auf Fakten, wie in ihren Narrativen, in denen programmatisch weggelassen wird, was den vorher schon gefestigten Erzählfluss stören würde, weshalb das direkte Gegenteil des ekelhaften Maskulinismus diesem in vielen Punkten zumindest strukturell sehr nahe steht, was sich unter anderem an der erstaunlich ähnlichen Sprachgestalt zeigen ließe, so sehr die verwendeten Phrasen auch diametral entgegengesetzt erscheinen.

Willentliche Vergewaltigung

Ohne von einer feministischen Verschwörung zu palavern, kann man mit den eigenen Worten Irmschlers doch trotzdem sagen, dass die Reform des Sexualstrafrechts maßgeblich zustande kam aufgrund des „Einsatz(es) der – ja, auch im Netz agierenden – Feministinnen“. Bestimmte feministisch-politische Forderungen haben sich also, auch unter Mithilfe des offiziellen Internetaktivisten Heiko Maas, rechtlich manifestiert. Anstatt sich auch nur ansatzweise die Frage zu stellen bzw. vorher gestellt zu haben, was dies ganz pragmatisch für kommende Prozesse bedeutet, wird die Reform als Fortschritt zelebriert. Würde hingegen die richtige Erkenntnis, nach der Vergewaltigungen in der Regel von „Nahtätern“ ausgehen, ernst genommen werden, müsste doch die Schwierigkeit der Beweisführung von selbst auffallen – dass es also in aller Regel beispielsweise keine Zeugen gibt. Eben dies stellt nur kein Hindernis mehr dar, sofern man bereit ist, die grundlegenden rechtsstaatlichen Prinzipien zu kassieren, was zum Glück noch nicht ganz abzusehen ist. Aber solche Pragmatik spielt kaum eine Rolle, denn die Reform dient beispielsweise Veronika Kracher nur als Politikum, von dem aus sich „weitergehende“ Forderungen aufstellen lassen, in denen offensichtlich wird, wessen Geistes Kind sie ist:

„Durch die Änderung des deutschen Sexualrechtsparagrafen im Juli gilt es inzwischen auch als Vergewaltigung, wenn sich der Täter über den »erkennbaren Willen« des Opfers hinwegsetzt. Damit macht sich inzwischen nicht mehr nur derjenige strafbar, der Sex mit Gewalt oder Gewaltandrohung erzwingt. Anstatt den Paragrafen jedoch progressiv zu kritisieren, nämlich dahingehend, dass Gefälligkeit integraler Bestandteil einer weiblichen Sozialisation ist oder dass seitens des Täters oft immens viel Druck aufgebaut wird, um das Nein in ein Ja zu verwandeln, laufen die Männer des Landes Sturm.“[48]

Kracher möchte also das Sexualrecht, welches eigentlich Sexualstrafrecht heißt, dahintreiben („progressiv kritisieren“), dass sozialisierte Gefälligkeit auch ohne „immens viel Druck“ – beides ist durch das „oder“ schließlich getrennt -, als Nein gelten müsste. Was in der Konsequenz bedeutet, dass selbst ein deutlich artikuliertes, aber sozialisiertes Ja kein Ja mehr ist, wenn es nur aufgrund der Sozialisation zustande kam, oder dass das Sexualstrafrecht nach Hengameh Yaghoobifarahs Vorstellungen funktioniere, die in der taz schreibt, dass sie irgendwie auch „Überlebende von sexualisierter Gewalt“ sei, weil sie eben jene sozialisierte Gefälligkeit erwiesen habe:

„Ich selbst habe oft genug das „nein“ geschluckt und „es“ über mich ergehen lassen, weil ich dachte, dass dies erträglicher oder weniger Arbeit sein würde, als für mein „nein“ die andere Person stundenlang trösten, mich sanktionieren lassen oder streiten zu müssen.“[49]

Es wird jeder zum Täter sowie zahlreiche Frauen, insbesondere Lesben, zur Täterin, und strenggenommen nicht nur potenziell, sondern tendenziell immer dann, wenn die weibliche Sozialisation zum Sex geführt habe. Unmündigkeit im philosophischen Sinne ist dann kein Mangel mehr, der, soweit es geht, von der unmündigen Person selbst überwunden werden muss, sondern wird zu einer Rechtskategorie, und die Frau als „sexualunmündige“ so letztlich doch zum Kind erklärt. Bei Krachers einzig genannter Referenz, nämlich Mithu Sanyal, wird die Verwässerung auf eine ähnliche Weise betrieben. Diese möchte im Falle einer Vergewaltigten neuerdings lieber von einer „Erlebenden“ sprechen, da hier „keine Aussagen über Motivationen und Rollenverteilungen (getroffen werden). Klassische Binaritäten wie aktiv/passiv werden aufgebrochen.“[50]

Das heißt, nach Sanyal kann man sich aktiv oder gar willentlich vergewaltigen lassen – andere nennen genau dies „miteinander schlafen“, „vögeln“, „ficken“ oder ganz pathetisch „Liebe machen“. Wobei anzuerkennen ist, dass Sanyals Werk „Vergewaltigung“ neben Unsinn wie dem obigen auch einiges an Reflexionspotenzial beinhaltet, was leider nicht heißt, dass Sanyal selbst dieses ausreichend entfalten würde oder auch nur wollte. Jene Teile des Buches werden aber munter verschwiegen, da gerade jene Thesen Sanyals in der „Theorie“ Krachers oder Irmschlers als Thesen einer „Täterversteherin“ gelten müssten, und sich gegen die Vorstellung einer weiblichen Unschuld und Reinheit richten.

Vergewaltigung und sexuelle Nötigung

Wenn man also, wie angeblich Jana Klein, wirklich darüber reden möchte, wie die Straftat der Vergewaltigung in der „Rolle als Souverän überhaupt (sinnvoll) zu inkriminieren[51] ist, wäre doch das „sinnvoll“ erst einmal aus der einschränkenden Klammer zu holen, und dann zu diskutieren, und nicht als zweitrangig in einer Klammer abzutun. Klein nennt hingegen nicht einen Grund, aufgrund dessen von einer Anzeige abzuraten sei. Es ist schlichtweg „natürlich (…) auch heute noch meist“ so, ohne wenigstens die Ausnahmen, die von ihr zumindest implizit eingestanden werden, zu nennen. In anderen Fällen sind es hingegen die relativ sinkenden Verurteilungszahlen, die als scheinbarer Beleg einer Tendenz betrachtet werden, welche zu einer vergleichbaren Forderung führen. Dabei sollten gerade die Verurteilungsquoten zu einer Reflexion und Kritik der Reform des Sexualstrafrechts statt deren Verteidigung und Bewerbung führen.

Zuzustimmen wäre beispielsweise Terre des Femmes im folgenden Punkt: „Es ist dringend notwendig zu klären, warum die Verurteilungsquoten bei Vergewaltigung bundesweit so stark abgenommen haben.“[52] Nur scheinen sie nicht bereit zu sein, jene Abnahme, welche in dem Text von Terre des Femmes zwischen 1994 und 2012 datiert wird, wenigstens teilweise auf das 33. Strafrechtsänderungsgesetz von 1997 zu beziehen, auf das sie selbst hinweisen, da hier endlich die Vergewaltigung in der Ehe als Straftat anerkannt wurde.

Was sie aber vergessen zu erwähnen, ist, dass im Zuge dieser Änderung auch die vorher streng geschiedenen Straftatbestände der Vergewaltigung (vormals § 177) und sexuelle Nötigung (vormals § 178) zum Gemeinschaftsparagrafen 177 vereint wurden. Seitdem ist Vergewaltigung nur noch ein Sonderfall der sexuellen Nötigung. In der Statistik wird die Trennung meist gar nicht mehr vorgenommen, und die Zusammenlegung vor allem im Vergleich von Statistiken aus der Ära vor und nach 1997 überhaupt nicht reflektiert. Eben dies hätte eine Warnung sein können, dass die jetzige Reform des Sexualstrafrechts eine Erweiterung statt Verschärfung darstellt, welche zu einer noch weiteren Verschlechterung im Bereich der Verurteilungsquote führen wird, da die Beweisbarkeit massiv erschwert wird, die sowieso schon ein niemals zu unterschätzendes Problem bei Vergewaltigungen darstellt.

So wäre zu sagen, dass die Relativierung von Vergewaltigung gewissermaßen auch juristisch verankert wurde, und zwar sowohl 1997 als auch 2016, und dass Leute wie Veronika Kracher im Fortschrittsoptimismus einer Paula Irmschler in genau diese Richtung fortschreiten wollen, ohne die geringsten Gedanken daran zu verschwenden, dass es eventuell immer nur Symbolschlachten sind, die aber fatale Wirkung zeitigen, worauf die promovierte Juristin Kathrin Spoerr in ihrer Kritik der Rechtsreform hinwies:

„Nun könnte man sagen: Die Parteien machen halt ein bisschen Populismus, überflüssige Gesetze richten keinen Schaden an. Aber das ist falsch. Denn Recht ist das Gewebe der Gesellschaft. Es ist dazu da, unbedingt durchgesetzt zu werden. Steht Recht nur auf dem Papier, damit das Volk sich besser fühlt, hat der Rechtsstaat kapituliert.“[53]

Das mag eventuell etwas pathetisch klingen, ist aber leider sehr treffend.

Ideologisierung der Angst

Der #ichhabnichtangezeigtunddasistauchgutundvölligrichtigso-Feminismus spricht im schlimmsten Sinne für 93-95 Prozent der Betroffenen sexueller Gewalt im strafrechtlichen Sinne, also für all jene, die nicht angezeigt haben, und mit ihrer Stimme, indem er sich deren Ängste, Vorbehalte und jeweiligen individuellen Rationalisierungen aneignet und vor jeder Reflexion als „feministische Theorie“ bloß absegnet und sedimentiert. Dies meint in aller Regel das Schlagwort „solidarische Kritik“ (Dora Streibl), welches immer ohne nähere Bestimmung eingeworfen wird, und mit derselben Regelmäßigkeit die Selbstzensur oder den Totalausfall der Kritik bloß mit einem hübscheren Namen versieht. Es verrät im Verzicht auf die von Streibl – in Bezug auf Muslime – geforderte Kritik vor allem die potenziellen Gegenstände der Kritik, hier die Betroffenen von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Es ist eine bloße Rationalisierung oder vielmehr Ideologisierung der Angst, statt deren Reflexion und Überprüfung an der Realität. Ängste ernst zu nehmen, bedeutet, sie zu analysieren, im Zweifelsfall zu kritisieren, denn erst dann kann man ihnen gerecht werden, ohne ihnen bloß entsprechende Ideologien zu produzieren. Es sollte einigermaßen selbstverständlich sein, dass sowohl die Emotionen als auch die Kritik ihre jeweilige Berechtigung haben, während sich die hier betrachtete feministische Ideologie genau dazwischensetzt und gerade dadurch keinem von beidem gerecht wird. Es ist eine Ideologie, die wahrlich nicht dem Feminismus entspricht, jedoch als Tendenz durchaus zu diesem gehört. Veronika Kracher, die „für [und nicht etwa in] konkret, Jungle World, Titanic und taz in der Regel irgendwas über Kultur oder Feminismus“ publiziere, hat diese Ideologie ganz geschlechtergerecht ausgeplaudert:

„Ein Mann, der nicht wütend ist, hat seine Wut dem adornitischen Credo nach sublimiert und kann sich, seinem Vorbild nacheifernd, als herausragender Kritiker fühlen. Eine Frau, die nicht wütend ist, macht einfach nur ihren von der Gesellschaft auferlegten Job.“[54]

Es ist kein Wunder, dass sie für dieses Urteil im eigenen Text von einem misslungen Gespräch mit ihrem Vater zur „emotionalen Arbeit“ in der dreckigen „WG-Küche“ fortschreitet, und für ihr „Urteil“, das schon eingangs lautet „„Wer denkt, ist nicht wütend“ gilt nur für den denkenden Mann“, einen recht entscheidenden Teil des Zitats weglässt. Es lautet „in aller Kritik“, und verweist darauf, dass Männlein und Weiblein erst durch die Kritik, die sie formuliert haben, zu einem Kritiker oder einer Kritikerin werden. Und so sehr es „die Aufgabe (…) der Kritikerin in Zeiten der Wut und Unvernunft (ist), aufklärend einzuwirken,“ gehört dazu aber keineswegs „die Wogen zu glätten, etc. pp.“, und zwar erst recht nicht „weil (sie) – Danke, Mama – der einer weiblichen Sozialisation geschuldeten Verantwortung aufsitze, unbezahlte Diplomatie sei (ihr) Job“ oder wie Irmschler, sofern man sich an den Titel ihrer Kolumne im Neuen Deutschland erinnert, feministische Kritik gleich als Dampfbügeln auffasst.

 

IV. Selektion des Ausschusses

Die Abwehr der Realität im oben dargestellten Sinne ist letztlich immer auch eine aller Personen, die an diese Wirklichkeit reell oder vermeintlich gemahnen. Und deshalb muss der Artikel Irmschlers auch konsequenterweise mit einer Vorsortierung enden, in der entschieden wird, wen der Feminismus braucht und wen nicht.

„Was Feministinnen brauchen, ist Energie und Zeit“; sprich Arbeitskraft, denn Feminismus ist bloß abstrakte Arbeit. Demnach gehört ausgeschieden, wer deren Verausgabung stört oder ablenkt, wer also unproduktiv ist: Die „bremsenden Kritiker“ – der Sand im Getriebe des Feminismus; sowie jene, die nicht an das revolutionäre Subjekt Feminismus glauben, und „ihn als solchen (…) verunglimpfen, (…)  braucht der Feminismus dagegen nicht“,

befindet die Türsteherin des gesamten Feminismus namens Paula Irmschler. Ausgeschieden gehören jene, die zwar schon Außenseiter seien; nur soll es anscheinend endlich auch unbequem für jene werden, die es sich angeblich so gemütlich gemacht haben in ihrer komodigen Welt. Je nach Bedarf sind dies dann Verräter und Verräterinnen am Geschlecht oder dem Linkssein. Programmatisch verwies Irmschler in ihrem Andersfrauen-Text auf eine Glosse Leo Fischers über „Nichtmehrlinke“[55], in der er laut Irmschler gegen natürlich wieder „mutige Neukonservative“ angeschrieben hätte. Nun ist „neokonservativ“ ein Vorwurf, der zum Antideutschtum seit Beginn dazu gehört, wenn er auch lange aus ordinär linker Ecke geäußert wurde. Aber kurze Zeit zuvor hatte Fischer schon gegen die „Umfaller“[56] gewettert, und mit der Ankündigung geschlossen: „Ich weiß nicht, wie Sie’s halten, aber ich merke mir solche Leute. […] Diese Leute sind zu nichts zu gebrauchen.“ Und in eben diesem recht unironischen Kontext sind die von denselben Leuten in den sozialen Netzwerken oder auf Parteiplakaten nun aber angeblich streng humoristisch vorgetragenen Gewalt- und Lynchphantasien zu betrachten.[57]

Ohne jede Mär von einem strukturellen Antisemitismus, dem gewisse Stränge des Feminismus ausgesetzt seien, wonach Feministinnen (oder Frauen generell?) die neuen Juden seien, sagen diese Ergüsse doch vor allem eines: „Wenn wir dich eliminieren, verlieren wir nichts.“ – ein Titel unter dem Jan Rickermann in der Sans Phrase die „Gesellschaftslehre des Kommunismus der Roten Khmer“ analysierte. Wenn Irmschler schreibt: „Wenn das verfickte Feuilleton nur mal eine Woche seine regressive Fresse halten könnte, wir hätten längst Kommunismus“,[58] kann man nur sehr dankbar sein, dass es nicht nur das Feuilleton ist, welches das dünne Furnier der Zivilisation bildet. Wer sich dann noch wundert, dass es Menschen gibt, die lieber auf den Rechtsstaat vertrauen als auf jene „Bekämpferinnen“ und ihre Geistesgenossen sowie deren beider in den „Kommunismus“ verlängerte autoritären Phantasiegebilde und Allmachtssehnsüchte, ist vermutlich längst Fan von Irmschler und/oder Fischer.

Zu betonen ist, dass sie die Entlarvungen und Korrekturen der Projektionen jeweils selbst liefern, wie im Falle Irmschlers, die auf Twitter beklagt:

„,Netzfeminismus‘-Kritiker ertragen es nicht, dass Frauen nicht erst fragen, bevor sie was ins Internet schreiben und dass ihre Meinung nicht erst über den Tisch von Männern geht, bevor sie veröffentlicht wird und Frauen leider nicht deswegen aus Redaktionen gemobbt werden können.“[59]

In einem Artikel, dessen Veröffentlichung nicht allzu lange her ist, gab sie kund, woher diese projizierte Vorstellung kommt. Schreiben will sie nämlich, „bis (…) ich Chefredakteurin von deinem Magazin bin, und von deinem, von deinem und dem Käseblatt hier auch noch.“[60] Bis sie demnach kontrollieren kann, was veröffentlicht wird und all jene herausmobben kann, die ihr nicht passen. Es ist der wieder der Wunsch nach genau dem, was man anderen als Wunsch unterstellt. In diesem Wunsch, ideelle Gesamtchefredakteurin des ganzen Feuilletons zu werden, offenbart sich die Sehnsucht nach der nun feministisch wiederzubelebenden, da längst nicht mehr existenten Institution des offiziellen Zensors, als der Irmschler gerne agieren würde.

Was im Angesicht von Redaktionen, die in gewissen, wenn auch schwindenden Graden noch einen Triebaufschub von ihren Autoren und Autorinnen verlangen, zurückgehalten und unterdrückt, statt reflektiert wurde, muss irgendwann wieder herausgelassen werden und zwar vor einem Publikum; und genau als solcher Kanal dienen die sozialen Medien. Ein Netz- und Printfeminismus einer Irmschler und des sie umgebenden Milieus zeigt vor allem, wie sich Unwahrheiten und ernsthafte Abscheulichkeiten in „Humor“ und automatisch-halbsachliche Empörung zugleich kleiden, um sich zu entfalten. Erst im Changieren zwischen äußerst abstrakten, schwammigen und oberflächigen Texten sowie sehr konkreten und meist unter die Gürtellinie gehenden Postings und Kommentaren, erzielt dieses Zusammenspiel die beabsichtigte Wirkung für die Fans. Die „bewusste“ Umarbeitung von Postings zu Artikeln gemahnt an jene unbewusste, die die Traumarbeit mit der Umwandlung des latenten Gedankens zum manifesten Inhalt leistet. Dort wo sie nicht völlig aus dem Unbewussten herrührt, handelt es sich hier um eine Politik des Vorbewussten – einer Politik, die maßgeblich von jener psychischen Instanz ausgeht, welche selbst sowohl von Kalauern als auch Slogans angesprochen wird. Es ist eine Politik, die auf der symbolischen Ebene betrieben wird, ohne jemals zur realen fortzuschreiten, da es dort schlichtweg sowohl emotional als auch intellektuell zu anstrengend werden und demnach kostbare feministische Zeit und Energie kosten würde.

Eines hingegen ist sicher: Sie werden sich bloß belustigen und drüber lachen, und zwar umso energischer und lauter, umso mehr sie ihre Bande nach außen abdichten und nach innen bestärken müssen, da sie von keinem Gedanken zusammengehalten werden, sondern nur von brüchigen Automatismen. Deshalb ist das permanente Schwanken zwischen brutalem Humor und kaum weniger aggressiver Empörung bloße Fassadenbildung; und ein Schwanken, das und somit auch dessen jeweilige Pole niemals verlassen werden können, und das sowohl die Emotionen als auch die Kritik abwehrt, und dabei meint, beidem zu entsprechen:

„Das Großartige liegt offenbar im Triumph des Narzißmus, in der siegreich behaupteten Unverletzlichkeit des Ichs. Das Ich verweigert es, sich durch die Veranlassungen aus der Realität kränken, zum Leiden nötigen zu lassen, es beharrt dabei, daß ihm die Traumen der Außenwelt nicht nahegehen können, ja es zeigt, daß sie ihm nur Anlässe zu Lustgewinn sind. (…) Der Humor ist (…) trotzig, er bedeutet nicht nur den Triumph des Ichs, sondern auch den des Lustprinzips, das sich hier gegen die Ungunst der realen Verhältnisse zu behaupten vermag. Durch diese beiden letzten Züge, die Abweisung des Anspruchs der Realität und die Durchsetzung des Lustprinzips nähert sich der Humor den regressiven oder reaktionären Prozessen, die uns in der Psychopathologie so ausgiebig beschäftigen.“ (alter (toter) weißer (jüdischer) Mann)

Die Empörung ist nur das dazugehörige moralische Korrelat. Das Einzige, das Kritik an diesem Milieu noch leisten kann, ist, die inhaltliche und sprachliche Willkür vorzuführen, auf dem das ganze Gebilde beruht, ohne sich die Hoffnung zu machen, von ihnen selbst mehr als hämisches Gelächter zu erhalten, von dem sie ahnen, dass es ihnen längst selbst gilt.

 

von Paulette Gensler

[1] https://jungle.world/artikel/2017/46/bitte-melden

[2] https://jungle.world/artikel/2017/48/vernunft-und-strohfrauen; sofern nicht anders angegeben, stammen die Zitate aus diesem Text.

[3] https://jungle.world/artikel/2017/49/aufklaerung-muss-weh-tun

[4] Dazu u.a.: http://distanz-magazin.de/eine-tatsaechlich-linke-dummheit/

[5] https://lindwurm.wordpress.com/2017/10/21/metoo-youtoo-ustoo/

[6] http://time.com/time-person-of-the-year-2017-silence-breakers/

[7] Auch Dora Streibl kam in einer Debattenrunde in der Jungle World, nachdem sie unterstellte, Ideologiekritiker würden nicht nur Vergewaltigungen relativieren, wenn sie den betreffenden Vorwurf Ernst nähmen, zu dem „Schluss“, der vom Textaufbau ganz klar in Richtung Bahamas adressiert ist: „Es scheint fast so, als glaubten manche, die regressiven Elemente des Feminismus mit stolz vor sich hergetragenem Antifeminismus kontern zu müssen, der zwar weniger ideologisch gefestigt ist, dafür aber umso vermeidbarer wäre. Tatsächlich gibt es mehr Potential zur Kooperation bei der Bekämpfung der antifeministischen und der antisemitischen Ideologie, als einigen wohl lieb wäre. Die historische Verflechtung der beiden Ideologien zeigt sich im Antisemitismus antifeministischer Personen und immer wieder finden sich im Antifeminismus strukturell antisemitische Denkmuster bis hin zur behaupteten »feministischen Weltverschwörung«. Spätestens wenn beim alljährlichen »Marsch für das Leben« von christlich-fundamentalistischen Abtreibungsgegnern Slogans auftauchen, die das Wort »Babycaust« enthalten, wird klar, dass hier eine Verbindung aus der Hölle besteht.“ (https://jungle.world/artikel/2016/04/wir-sind-die-besseren) Sie selbst hatte zwar den nicht nur „strukturellen“, sondern sehr handfesten Antisemitismus gewisser feministischer Akteurinnen herausgearbeitet, sieht dort aber keine tiefere „Verbindung aus der Hölle“, sondern Verirrungen („kokettiert“) „ein(es) Teil(es) der queerfeministischen Szene“, der man mit einer kleinen Oberflächenkorrektur beikommen könne. In diesem Sinne bleibt programmatisch unausgesprochen, was es konkret für angeblich „strukturell antisemitische Denkmuster“ vor jenen Extremen gibt, die sie selbst mit den Formulierungen „bis zu“ oder „spätestens“ als Extreme abgrenzt, aber als einzige ausführt. Wer „die real existierenden patriarchalen Verhältnisse“ analysieren wollte, hätte bemerken können, dass im Westen einige Maskulinisten, die eine recht überschaubare, wenn auch krampfhaft aktive Randgruppe bilden, von der „feministischen Verschwörung“ palavern, im Iran, dem Maskulinisten in Staatsform, hingegen Professorin und Kopftuchgegnerin Hoodfar verhaftet und angeklagt wurde wegen „versuchter feministischer Unterwanderung“, und zwar genau zu der Zeit als Streibl in ihren Artikel veröffentlichte. In diesem Zuge wäre aber vielleicht aufgefallen, dass die Differenz zwischen dem informellen, randständigen Maskulinismus auf der einen und dem institutionellen auf der anderen Seite keine bloß graduelle ist.

[8] https://www.neues-deutschland.de/artikel/1068696.metoo-und-sexuelle-gewalt-andersfrauen.html

[9] Burke weiter: „So, the movement, the work that I’m doing and this movement is really about survivors talking to survivors, right? “Me Too” is about letting—using the power of empathy to stomp out shame. And so, we need to keep talking about it, right? It doesn’t need to be—I mean, I appreciate the hashtag, and I appreciate the hashtag elevating the conversation, but it’s not a hashtag, right? It’s not a moment. This is a movement. […] So what needs to happen is that we need to stop just, you know, popping up when somebody famous does something. And we need to really look at the numbers, look at the people, look at the survivors and think strategically.“ (https://www.democracynow.org/2017/10/17/meet_tarana_burke_the_activist_who)

[10] https://www.neues-deutschland.de/artikel/1068696.metoo-und-sexuelle-gewalt-andersfrauen.html

[11] Jene Paula Irmschler, die vor einer Weile schrieb: „Gina-Lisa Lohfink wurde vergewaltigt. Das sagt sie, das gab sie zur Anzeige, das glauben wir ihr. […] Der Fall ist nicht einfach, vieles noch ungeklärt und aus allen Ecken des Internets erscheinen plötzlich selbsternannte Experten, die genau wissen, wie eine Vergewaltigung abzulaufen hat, wie »Opfer« auszusehen und vor allem wie sie sich zu verhalten haben. Es gibt offenbar nicht wenige Menschen, die sich über die Integrität der Betroffenen hinweggesetzt haben, sich Zugang zu dem Video (es ist noch immer im Netz zu finden) und damit auch ungefragt zum Körper von Gina-Lisa verschafft haben. Sie wollen sich ihr eigenes Urteil bilden und zwar in einem umfangreichem (sic!) Maße. Das möchte die Betroffene verständlicherweise nicht, aber um den Status Quo zu erhalten, scheint jedes Mittel recht.“ (http://www.intro.de/life/solidaritat-mit-gina-lisa-lohfink-du-bist-nicht-allein)

So richtig die Kritik am „Konsum“ dieses Videos wie auch am Internet-Expertentum ist, und sofern diese Kritik nicht nur für Männer gilt, erscheint sie doch etwas widersprüchlich. Irmschler betont zwar eifrig, das Video nicht gesehen zu haben, da sie die Integrität der Betreffenden wahren wolle, wusste aber, im Gegensatz zur Richterin, die das Video tatsächlich in voller Länge gesehen hatte, erstaunlicherweise gleichzeitig, dass die Klagende in diesem Video vergewaltigt wurde – eine ziemlich beeindruckende, man könnte fast meinen, magische Rechercheleistung. Irmschler fuhr fort und schrieb: „Es wird von einer »tendenziösen Verhandlungsführung« berichtet, was auch Gina-Lisas Verteidiger kritisiert. Als das berüchtigte Video öffentlich gezeigt werden soll, verlässt sie mit ihren Anwälten aus Protest den Gerichtssaal.“ Aus anderer Quelle klingt dies jedoch gleich ganz anders: „Am 27. Juni standen diese Videosequenzen als Beweismittel auf dem Plan. Lohfinks Anwälte verließen jedoch wütend den Saal, als Richterin Ebner sie den Prozessbeteiligten zeigen wollte, ohne die Öffentlichkeit auszuschließen. Lohfink selbst hätte die öffentliche Präsentation der Videos sogar begrüßt: Weil man dann sehen könne, was ihr geschehen sei, sagte sie im Gerichtsflur. Weil man dann hören könne, „dass ich ,Hilfe! Hilfe! Polizei!’ gerufen habe“.“ (https://www.derwesten.de/panorama/ex-manager-sex-mit-gina-lisa-lohfink-war-einvernehmlich-id12078736.html) Über den darauf folgenden Prozesstag heißt es in der Welt: „Als die Richterin am Montag ein Sexvideo zur Beweisaufnahme – den Laptopmonitor vom Publikum abgewandt – anschauen ließ, blieb das Model zunächst auf seinem Platz. Als ihr Anwalt sie dazu holte, begann sie zu weinen. „Es ist wirklich schlimm, was hier mit mir gemacht wird“, sagte sie. Richterin Antje Ebner rügte daraufhin den Anwalt: „Sehen Sie nicht, dass Ihre Mandantin emotional überfordert ist? Warum müssen Sie Ihre Mandantin so vorführen?“ Die Verhandlung wurde für zehn Minuten unterbrochen.“ (https://www.welt.de/vermischtes/article157550555/Gina-Lisa-Lohfink-bricht-vor-Gericht-in-Traenen-aus.html) Anstatt also zu kritisieren, dass Lohfink aller Wahrscheinlichkeit nach ziemlich publikumsgeile Verteidiger hatte, erstreckt sich die Solidarität sogar auf diese, und die Kritik auf die Richterin und somit angebliche Repräsentantin des ebenso angeblichen Systems der Rape Culture verschoben: „Wie beim ersten Prozesstag muss Gina-Lisa sich mit Anfeindungen irgendwelcher Typen konfrontiert sehen, sie muss einem ihrer mutmaßlichen Täter begegnen und weint viel. Der Richterin fällt nichts Besseres dazu ein, als sie zu fragen, ob sie denn ein Taschentuch bräuchte. Schon zu Beginn der Verhandlung gab es einen Befangenheitsantrag gegen jene Richterin, der später noch vor einem Schöffengericht behandelt wird.“ (Irmschler, Intro) Zu erwähnen wäre gerade in diesem Kontext, dass der Richter des Revisionsverfahrens, angesichts der Strapazen, welche der Prozess für Lohfink dargestellt habe, sie selbst fragen musste, warum sie denn dann ohne Notwendigkeit überhaupt vor Gericht erschienen sei: „Oder hat Ihr Anwalt Ihnen nicht gesagt, dass Sie nicht kommen müssen? Damit er Werbung für seine Kanzlei machen kann?“ Aufgrund des Verhaltens von Lohfinks Anwälten, die unter anderem den „geheimen“ Revisionstermin veröffentlicht hätten, riet ihr der Richter: „Sollten Ihre Anwälte Sie hinter Ihrem Rücken den Haien zum Fraß vorgeworfen haben, sollten Sie klagen. Ich empfehle Ihnen, sich einen Anwalt zu suchen, dem Ihre Interessen näher stehen als er sich selbst.“ Aber ein „Opferanwalt“ genießt anscheinend dieselbe Definitionsmacht wie seine Klientin, obwohl Irmschler selbst verkündete, dass es „an diesem Tag einzig und allein um die Solidarität mit der Betroffenen geht.“ Aber sie nahm dies schon ein paar Zeilen später schließlich selbst unter der Teilüberschrift „Worum es geht“ zurück, wofür sie sich natürlich auf die vermeintlich Betroffene bezog: „Auch für Gina-Lisa Lohfink geht es mittlerweile um viel mehr als ihre eigene Geschichte.“ Vor allem aber beweist Irmschler hier, dass sie sich von der Vorverurteilung gegenüber den beiden Männern auch durch einen juristischen Freispruch nicht abbringen lässt, weil sie „glaubt“. Eben deshalb ist der obigen Nachtrag „Der Fall ist nicht einfach, vieles noch ungeklärt“ auch völlig scheinheilig, denn für Irmschler ist bzw. war er sowohl einfach als auch längst schon vorab geklärt. Und in diesem Glauben werden alle sprachlichen Register gezogen, falls nötig; „scheint jedes Mittel recht“. „Es wird von einer »tendenziösen Verhandlungsführung« berichtet, was auch Gina-Lisas Verteidiger kritisiert“, schreibt Irmschler, ohne zu erwähnen, dass sich das „es wird“ auf eine einzige Person bezieht, was im inhaltlich sich fast deckenden Bericht der „Initiative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt“ wenigstens vermerkt wird: „Eine Frau aus dem Berliner Orga-Team, selbst Juristin, konnte den Prozess über die gesamte Länge beobachten und bezeichnet ihn als Farce, da ausgesprochen tendenziös geführt. […] Draußen skandierten die von der Prozessbeobachterin darüber informierten UnterstützerInnen* derweilen ausdauernd „Nein heißt Nein!“, was bis in den Verhandlungssaal zu hören war.“ (https://ifgbsg.org/es-war-mehr-als-eine-soli-kundgebung/) Es war in der Tat eine Prozessbeobachterin, die zu der Beobachterin wird, auf die sich Irmschler bezieht, die sie aber zu einem diffusen „es“ verallgemeinert, während alle anderen Prozessbeobachter und -beobachterinnen ein deutlich anderes Bild des Prozesses zeichneten. „Tendenziös“ war insbesondere die Berichterstattung, an der Irmschler sich munter beteiligte. Im gleichen Zuge forderte Irmschler kaum mehr nur implizit auch eine Umkehrung der Beweislast. Dass hierin durchaus ein Bezug zur „Hexenjagd“ besteht, ließe sich in der übernächsten Fußnote nachlesen.

[12] https://jungle.world/artikel/2016/05/und-es-hat-doch-mit-dem-islam-zu-tun

[13] Gerade die Unschuldsvermutung hat eine durchaus frühfeministisch zu nennende Bedeutung: Es war die „Cautio Criminalis“ des Jesuiten Friedrich Spee, durch welche 1631 die Unschuldsvermutung in Deutschland mit der direkten Absicht eingeführt wurde, die Hexenverfolgung zu beenden, und die auf diesem Gebiet große Erfolge erzielte. Ferner: Auch der Absatz zur Unschuldsvermutung im Pressekodex bezieht sich ausschließlich auf Prozesse und Straftaten, nicht auf willkürliche Phänomene.

[14] https://de-de.facebook.com/permalink.php?story_fbid=1494147554007470&id=144136289008610 Dass dieser Kommentar unter einer Einwortzitatesammlung und völlig sinnwidriger Wiedergabe der entsprechenden Veranstaltung durch die liebreizenden Genossen und Genossinnen der Berliner Gruppe „Andere Zustände ermöglichen“, welche dem Referenten in diesem Posting mit Bild und Spruch Prügel androhen, erschien, offenbart nur die stattfindenden Verkehrungen ins Gegenteil, durch die es eben nicht gelingt, „ infantile Allmachtsphantasien (zu) bändigen“.

[15] http://www.kaput-mag.com/kolumne_de/prinz-printredakteur/

[16] Vgl Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz. Bahamas 72-2015

[17] https://www.neues-deutschland.de/artikel/1068696.metoo-und-sexuelle-gewalt-andersfrauen.html

[18] Dass ausgerechnet die Salonkolumnistin Judith Sevinç Basad, welche kaum einen Cent für ihren Text sehen dürfte, angeführt wird, sollte eigentlich ein wenig stutzig machen. Auch in diesem Fall hätte ein eigener Text die Reflexion anstoßen können. Unter dem Titel „Es herrscht Scheidenangst“ schreibt „über männlichen Ärger darüber, dass Frauen Jobs nur der Political Correctness [?sic!] bekommen würden“. Dort heißt es anlässlich der damals neuen Ghostbusters-Verfilmung, dass bestimmte unbenannte „Männer glauben, dass Frauen Jobs nur wegen der Political Correctness bekommen. Es kann nämlich gar keinen anderen Grund geben. Nicht, weil sie genauso fähig sind oder weil es egal ist, was ein Mensch zwischen seinen Beinen hat oder weil Frauen die Hälfte der Weltbevölkerung stellen und es schon rein quantitativ nicht hinhaut, sie in der Repräsentation ständig an den Rand zu drängen. Nein, es kann nur ein feministischer Beweggrund sein, der dahinter steckt.“ (https://www.neues-deutschland.de/artikel/1058167.es-herrscht-scheidenangst.html) Machen und schreiben diese Frauen, denen erst zugestanden wird, dass sie „fähig sind“, was eine Urteilsfähigkeit doch miteinschließen müsste, nicht das, was Irmschler von ihnen erwartet, heißt es plötzlich, dass diese „Andersfrauen“ den Job nur wegen ihrer Political Incorrectness oder ihrer antifeministischer Beweggründe erhalten hätten – „es kann nämlich keinen anderen Grund geben.“

[19] http://www.kaput-mag.com/kolumne_de/prinz-printredakteur/

[20] Womit auch die Frage Irmschlers, was der Netzfeminismus denn sei, teilweise beantwortet wäre: Ein Feminismus, bei dem der qualitative Unterschied zwischen Postings und Artikeln schon nur noch ein gradueller ist, weshalb man sie so leicht verwechseln kann.

[21] https://www.neues-deutschland.de/artikel/1059570.taeterversteher.html

[22] Auch ist hier ihre abwehrende Relativierung der Frage, ob die von ihr in dem Artikel beschriebene Tat in Birmingham nicht eventuell etwas mit der Religionszugehörigkeit und Sozialisation der Täter, also mit dem Islam zu tun haben könnte, besonders makaber, da es suggeriert, Mittelengland hätte nicht genau damit seit einigen Jahren ein enormes Problem. Besonders erschreckend war wohl der Missbrauchsskandal von Rotherham, in dessen Zuge von 1997 bis 2013 bis zu 1400 Kinder und Jugendliche Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Bei den Tätern des Ringes handelte es sich fast ausschließlich um Muslime. Die Ermittlungen wurden lange Zeit nicht aufgenommen, da die Polizei Rassismusvorwürfe befürchtete. Ähnliche islamische Missbrauchsringe wurden später aufgedeckt in Rochdale (47 Mädchen), Newcastle (278 Opfer), Derby (26-100), Oxford (bis zu 337), Telford (bis zu 100) und Halifax (unbekannte Anzahl von Opfern, aber bis zu 100 vermutete (Mit)Täter. In den meisten Fällen geschah von Seiten verschiedenster Behörden ebenfalls ewig nichts aus Angst vor Rassismusvorwürfen. Die britische Kinderkommission kam schon 2012 zu dem Ergebnis, dass 90% aller bandenmäßigen Kindesmissbrauchsfälle in Großbritannien von Männern mit „asiatischem“ Hintergrund verübt wurden, wogegen sich zahlreiche „asiatische“ nichtmuslimische Gruppen wehren, da „asiatisch“ in den betreffenden Fällen „muslimisch“ heißt, die nur 7% der Bevölkerung bilden, man dies aber nicht veröffentlichen könne. Der einzige Anlass für Irmschler über den Fall, in dem in Birmingham eine junge Frau bzw. ein Mädchen in einer Nacht von zwei verschiedenen Männern vergewaltigt wurde, überhaupt zu schreiben, ist, dass sie schreiben kann: „Diese Realität ist eine, in der Männer dazu in der Lage sind, gleichzeitig eine Vergewaltigung als ein rein muslimisches Problem abzutun, sie zu verstehen, sie zu verteidigen und dennoch ihre Existenz abzustreiten. Das hat System und heißt Rape Culture. Entweder ist, was Frauen angetan wird, nicht so schlimm, und wenn es doch schlimm ist, dann sind bestimmte Männergruppen verantwortlich oder Einzelne.“ (https://www.neues-deutschland.de/artikel/1059570.taeterversteher.html) Wie immer werden von ihr ohne einen Beleg Meinungen unterstellt, die dann von ihr selbst zerpflückt werden. Tatsache ist doch, dass beide Täter Muslime waren, und dass sich zur selben Zeit, als Irmschler ihren Artikel verfasste, eben in Birmingham ein ähnliches „Szenario“ ankündigte, wie in den oben genannten Fällen: http://www.birminghammail.co.uk/news/midlands-news/gang-members-filming-rape-attacks-13619424

Aber im Sinne von #ausnahmslos darf und demnach kann es nicht sein, dass Vergewaltigung zwar keineswegs ein „rein muslimisches Problem“, was wieder nur Irmschler erfindet, aber sehr wohl ein enormes Problem in muslimischen Communities und durch Muslime (keineswegs nur, aber momentan besonders in Mittelengland) darstellt. Wer dies aber schreibt, ist laut Irmschlers Titel schon ein „Täterversteher“, während sie sich mit ihrer „Kritik“ auf „Kommentare im Internet“ bezieht, die von Leuten stammen, die sie selbst „Trolle“ nennt.

[23] https://www.emma.de/artikel/ask-alice-jeder-mann-ein-vergewaltiger-318155 Auch wäre ernsthaft darüber nachzudenken, ob Schwarzer mit der Aufforderung „ein offensiver Freund von Frauen zu werden – eben das Gegenteil eines „potenziellen Vergewaltigers““, und demnach in ihrer Deutung eines „Frauenhassers“, nicht unter Umständen mit diesem „offensiven“, statt bewussten, „Freund von Frauen“ einen Euphemismus aufgreift oder gar -stellt, der schlichtweg einen anderen oder weiteren Typus des Vergewaltigers meint, bei dem sich die juristisch notwendig unterstellte freie Wahl zur Vergewaltigung beispielsweise psychologisch nicht mehr ganz so einfach begründen lässt, wie beim klassischen Frauenhasser.

[24] https://www.neues-deutschland.de/artikel/1068696.metoo-und-sexuelle-gewalt-andersfrauen.html

[25] Ihre Kolumne auf intro.de hingegen heißt: „Ich möchte Teil einer Bewegung sein.“ Die diesbezügliche Beschreibung lautet: „Das mit der Bewegung haben so ähnlich schon Tocotronic gesungen. Damit haben sie einen Impuls beschrieben, der die Popkultur am Leben hält. Auch unsere Kolumnistin Paula Irmschler kennt dieses Gefühl. Auf der Suche nach Halt und einer Peer-Group, die ihr ein Zuhause gibt, stolpert sie allerdings manchmal auch dahin, wo es wehtut.“ Das Bedürfnis nach Halt aber ist nun einmal das ontologische Bedürfnis schlechthin. Die Gruppenzugehörigkeit wird nach Eigentlichkeit und der ihr gemäßen Ausdrucksweise vergeben und entzogen. Schon die erste Seite des „Jargons der Eigentlichkeit“ enthält eine Gruppenbeschreibung, die treffender kaum sein könnte. Es heißt dort über „anti-intellektuelle Intellektuelle. Sie bestätigten sich ihr höheres Einverständnis dadurch, dass sie einen, der nicht derart sich bekannte, wie sie es sich gegenseitig bezeugten, aussperrten.“ So ist es auch nicht verwunderlich, auf denselben theologisch-dogmatische Gestus des Glaubens, des Ethos, der authentischen Aussage etc. pp. zu treffen. „Wir, das sind Frauen, Transpersonen und auffallend, aber leider nicht überraschend, sehr wenige Männer…“ (http://www.intro.de/life/solidaritat-mit-gina-lisa-lohfink-du-bist-nicht-allein) Schon ein rascher Blick in die sozialen Medien genügt, um zu sehen, dass selbstverständlich gehörig nachgeholfen werden muss, damit die postulierte Reinheit rein bleibt. „Wieso weiß ich, dass wenn mir ne Frau eine PN schickt dass es Danksagung & Support ist und bei Männern nur Fieses und warum stimmt es immer?“, fragte Irmschler auf Twitter am 5.11.2017; https://twitter.com/schirmherrin/status/927276791064137728) Die letztlich doch recht einfache Erklärung lieferte eine andere Twitter-Nutzerin am selben Tag: „feministin #paulairmschler blockt mich auf fb, nachdem ich auf ihrer timeline bedauerte, dass es keine gentleman mehr gibt. wtf.“ Auch wenn man selbst diesem Gentleman-Geschwafel nichts abgewinnen kann, zeigt sich doch, wie sehr das „Frausein“ an eine ganz bestimmte, nämlich Irmschlers, Haltung gebunden ist, die erfüllen muss, wer den Anforderungen der Weiblichkeit oder des Frauseins im Sinne der Frauenkundlerin Irmschler genügen will.

 

[26] Der Naziopa ist hier natürlich kein Pappkamerad oder Strohmann, von denen nebenbei allgemein eh nur zu schwafeln scheint, wer sie selbst am laufenden Band aufstellt.

[27] https://www.neues-deutschland.de/artikel/1070431.metoo-nostalgie.html

[28] https://www.neues-deutschland.de/artikel/1068696.metoo-und-sexuelle-gewalt-andersfrauen.html

[29] Was ökonomisch natürlich rational ist, da die Lektüre den Stundenlohn arg reduziert hätte.

[30] http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-01/sexismus-debatte-folgen/seite-2

[31] Deshalb kann man Frau Irmschler auch beruhigen, denn sie wird schon bald ihren ersehnten großen Erfolg haben, ihre Fangemeinde wird stetig wachsen, vielleicht schafft sie es gar in die deutsche Vogue oder sogar auf das Cover, wie die gute Hengameh Yaghoobifarah, über die es da hieß: „Als ermächtigend empfindet Hengameh auch Social-Media-Plattformen wie Instagram. Die Community auf Instagram gibt der Blogger_in Kraft, und das trotz destruktiver Kritik, mit der sie regelmäßig im Netz konfrontiert wird.“ Und dann kann sie auch wie Yaghoobifarah als Werbeikone auftreten: „Positiv-Beispiel ist für Hengameh unter anderem die TeenVOGUE, die es als Mädchenzeitschrift schafft, Politik mit Popkultur und Mode zu verbinden und so junge Frauen ermächtigt.“ (http://www.vogue.de/people-kultur/people-news/hengameh-yaghoobifarah-portraet) Eventuell kommt dann die dicke Knete, die sie bisher nur neidvoll in den Portemonnaies der Andersfrauen verschwinden und somit vergeudet sieht. Vielleicht stellt sie dann aber auch fest, dass in diesem Geschäft niemand den großen Lohn erhält, den aber alle eigentlich zu verdienen meinen. Ihre Frage aber „Und will ich wirklich bekannter werden und mein Gesicht vor eine Kamera halten, in dem Wissen, dass mich dann irgendwelche Wichser sexualisiert beleidigen werden?“ (http://www.kaput-mag.com/kolumne_de/prinz-printredakteur/) ist doch recht offenkundig als rhetorische zu betrachten; und das Bedürfnis nach Bekanntheit, nach Ruhm und Aufmerksamkeit recht offensiv ausgeplaudert. Um den Duktus des Empowerments zu erfüllen, darf aber diesem Fame nie ein eventuell eigenes mangelndes Talent oder ähnliches im Wege stehen, sondern ausschließlich der Sexismus der Anderen.

[32] http://www.sueddeutsche.de/leben/sexismus-mir-geht-es-zu-wenig-um-kritik-am-gesellschaftlichen-naehrboden-1.3708648

[33] „es geht in einzelnen Fällen auch darum, justiziable Taten zur Anzeige zu bringen.“ Dabei wäre die Formulierung nicht einmal per se falsch, da jeder juristische Fall in der Tat ein Einzelfall ist und gleichzeitig sowie glücklicherweise eben keineswegs alle Frauen eine Vergewaltigung erlitten haben. Doch auch hier ist die willkürliche „Anwendung“ markant, in der die erst als „traurige Normalität“ bezeichnete Vergewaltigung plötzlich zu „einzelnen Fällen“ herabgewürdigt wird, wenn es momentan genehmer ist und besser zur aktuellen Tagesagenda passt.

[34] Obwohl Alice Schwarzer die Frage, ob jeder Mensch ein potenzieller Mörder ist, wäre sie konsequent, ebenfalls bejahen müsste, da jeder Mensch auch zum Menschenhasser werden kann. Womit wir alle natürlich auch potenzielle Mordopfer und somit potenziell schon ermordet wären.

[35] https://twitter.com/schirmherrin/status/919975456320913409

[36] http://www.intro.de/life/solidaritat-mit-gina-lisa-lohfink-du-bist-nicht-allein

[37] https://jungle.world/artikel/2017/46/bitte-melden Tatsächlich gefolgt, wurden die ersten beiden Nennungen vielmehr von explizit widersprechenden Zeugenaussagen. Ein paar weitere Anmerkungen zu den fatalen Zahlenspielen finden sich hier: https://www.patreon.com/posts/bitte-melden-15433966

[38] In keinster Weise spricht dies ferner gegen die notwendige Aufstockung von Mitteln für Frauenhäuser, Beratungsstellen und ähnliches, und auch nicht gegen eine vernünftige Sexualpädagogik.

[39] https://jungle.world/artikel/2016/07/die-falschen-maenner-am-falschen-ort

[40] https://jungle.world/artikel/2016/04/wir-sind-die-besseren

[41] https://jungle.world/artikel/2016/07/die-falschen-maenner-am-falschen-ort

[42] http://www.zeit.de/2013/06/Sexismus-Laura-Himmelreich

[43] https://jungle.world/artikel/2013/06/47114.html

[44] http://www.konkret-magazin.de/hefte/id-2016/heft-102016/articles/das-war-ne-party.html

[45] http://www.focus.de/panorama/welt/prozess-in-hamburg-14-jaehrige-brutal-vergewaltigt-angeklagte-lassen-sich-vor-gericht-feiern_id_5861869.html

[46] https://www.abendblatt.de/hamburg/harburg/article211223019/14-Jaehrige-vergewaltigt-Landgericht-muss-nacharbeiten.html

[47] Es ließe sich hier zwar einwenden, dass die Schrift Max (Rosen)Thals „Sexuelle Moral. Ein Versuch der Lösung des Problems der geschlechtlichen, insbesondere der sogenannten Doppelten Moral.“, aus der das Zitat entnommen ist, wesentlich komplexer ist als unterstellt, aber Kracher hat diese eh nicht gelesen, sondern das Zitat nur von Sanyal übernommen, die es in jede ihrer Schriften einbaut. Max Rosenthal war keineswegs nur einfach „Jurist“, sondern auch Mitglied und zeitweise Vorsitzender des durchaus feministischen „Bundes für Mutterschutz und Sexualreform“, der erst im NS verboten wurde, und in dessen Zeitschrift sowohl Freud als auch Kollontai unter der Chefredaktion von Helene Stöcker publizierten.

[48] http://www.konkret-magazin.de/hefte/id-2016/heft-102016/articles/das-war-ne-party.html

[49] http://www.taz.de/!5455690/

[50] http://www.taz.de/!5379541/

[51] https://jungle.world/artikel/2016/07/die-falschen-maenner-am-falschen-ort

[52] https://www.frauenrechte.de/online/index.php/themen-und-aktionen/haeusliche-und-sexualisierte-gewalt/aktuelles/archiv/1506-neue-zahlen-belegen-einen-dramatischen-rueckgang-von-verurteilungen-nach-einer-vergewaltigung

[53] https://www.welt.de/debatte/kommentare/article156890161/Warum-das-neue-Sexualstrafrecht-wertlos-ist.html

[54] http://ficko-magazin.de/wer-denkt-ist-nicht-wuetend/

[55] https://www.neues-deutschland.de/artikel/1053672.nichtmehrlinke.html?sstr=fischer|nichtmehrlinke

[56] https://www.neues-deutschland.de/artikel/1058245.umfaller.html

[57] Dass Irmschler sich hierbei in ihrem eigenen Geiste wahrlich nicht auf künstlerische Freiheit beziehen kann, hat sie, sofern ihre eigene Kritik auch nur ansatzweise für sich selbst und ihre eigene Peer-Group gilt, selbst unter dem bezeichnenden Titel „Alles nicht so gemeint.“ Am Beispiel der Popmusik durchexorziert: http://www.kaput-mag.com/rainbow_de/dli/ Tweets wie „Ja, es stimmt, feminism is cancer – und du überlebst ihn nicht“ (https://twitter.com/schirmherrin/status/927197551861927937) oder „Wenn Männer im Angebot sind, muss ich einfach zuschlagen.“ (https://twitter.com/schirmherrin/status/930484421941252096) Mord, Todschlag und Schläge – „für viele [inklusive Irmschler] offenbar nichts anderes als ein richtig lustiger Spaß.“ (http://www.intro.de/life/solidaritat-mit-gina-lisa-lohfink-du-bist-nicht-allein) Auch Kracher kritisierte an Böhmermann, dass „seinen Kalauern deshalb immer die Legitimation der Ironie innewohne.“ (http://www.konkret-magazin.de/hefte/id-2016/heft-102016/articles/das-war-ne-party.html) Radikal wie Irmschler aber ist, scheint es trotz allem kein Problem zu sein, die Einheitsfront mit Politikern der „Partei“ zu suchen bei der „Alles nicht so gemeint“ anscheinend für folgende Plakatsprüche dann doch gilt: „Politik zum Anfassen“; „Vier Fotzen für ein Halleluja“; „Darf das [meint Merkel] Kanzler werden/bleiben?“ oder ähnliche Feinsinnigkeiten; und letztlich kann man auch gleich für die Titanic schreiben, die ja bekanntlich das feministische Kampfblatt schlechthin ist. Vieles Weitere zu diesem Milieu hat Justus Wertmüller behandelt: http://redaktion-bahamas.org/artikel/2017/77-ich-wusste-ja-nicht-dass-netanjahu-jude-ist/ Bislang bleibt es noch Älteren überlassen, dies alles völlig unironisch kundzutun. So ließ oder lässt sich seit Jahren im linken Szeneschuppen Bandito Rosso in Berlin-Mitte, Treffpunkt Restbestände der in den 80ern, also vor dem Internet, politisierten Fantifa-Bezüge, an der Wand der nicht zu übersehende Schriftzug bewundern: „Dead men don´t rape!“ – ein Liedtitel der Band 7 Year Bitch, das diese nach der Vergewaltigung und Ermordung einer befreundeten Sängerin schrieben, obwohl der Täter zu 36 Haft verurteilt wurde.

[58] https://twitter.com/schirmherrin/status/930048636276355075

[59] https://twitter.com/schirmherrin/status/931944372245028866

[60] http://www.kaput-mag.com/kolumne_de/prinz-printredakteur/

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