Tierliebe und Menschenhass

von Ole Nickel

Rund 300.000 Unterschriften erreichte die Online-Petition für den Hund Chico, der Anfang April seinen Halter und dessen Mutter getötet hatte. Die Causa des Hundes, der zwei Menschenleben auf dem Gewissen hat, führte auch außerhalb von social media zu Protesten. So berichtet der Spiegel von immerhin 80 Menschen, die in Hannover zu einer Mahnwache kamen: für den Hund, nicht für die getöteten Menschen. Nun ließe sich ja vermuten, dass es sich dabei schlicht um ein Phänomen großen Mitleids handelt. Dass Menschen noch einem Hund, der zwei Menschen umgebracht hat, zugestehen, selbst weiterzuleben, als Zeichen einer friedfertigen Gesellschaft lesen. Kurz, wer so gut zu Tieren ist, der ist auch seinen Mitmenschen gegenüber menschlich gesinnt. Doch die Rechnung geht nicht auf. Die Tierliebe wirkt nicht als Damm gegen Gewalt und Hass auch dem Menschen gegenüber. Ganz im Gegenteil ist so oft mit genau dieser vergesellschaftet, will, wer sich Tierliebe auf die Fahnen schreibt, nicht selten seinen Mitmenschen an den Kragen (1). Wie geht das zusammen? […]

Der lange Arm der nationalsozialistischen Rechtsprechung. Über den Tod Philipp Auerbachs und die „zweite Schuld“ der Deutschen.

Am 16. April 1952 trat in München ein aus ehemaligen Nationalsozialisten bestehendes Gericht zu einer Verhandlung über Holocaustüberlebenden Philipp Auerbach zusammen. Den Vorsitz des dreiköpfigen Gerichts übernahm kurzfristig der ehemalige Pg. Josef Mulzer, der in der Zeit des Nationalsozialismus zum Oberkriegsgerichtsrat aufstieg. Auch einer der beiden Staatsanwälte sowie der psychiatrische Sachverständige, Wulf Ziehen, waren ehemalige Mitglieder der NSDAP. Ein Beisitzer des Gerichts war Mitglied der SA. Der Prozess wurde begleitet von einer antisemitisch gefärbten Kampagne gegen Philipp Auerbach. Der ungerechtfertigte Schuldspruch trieb ihn schließlich in den Suizid.

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Es muss nicht immer Bomber Harris sein. Britische Sicherheitskräfte und die Nazis in der FDP.

Im November 1952 erscheint ein Artikel über den SS-Mann, Staatssekretär im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und den laut Hitlers Testament designierten Nachfolger Goebbels als Reichspropagandaminister, Werner Naumann, in der Stockholmer Zeitung Dagens Nyheter. Voller Einzelheiten schildert der Artikel das von ihm aufgebaute und aus über 100 ehemaligen ranghohen NS- und SS-Funktionären bestehende Netzwerk, das seit einigen Jahren bereits die FDP unterwanderte und mittlerweile den rechten Flügel mehrerer Landesverbände – allen voran Nordrhein-Westfalen – beherrschte und als langfristiges Ziel den politischen Umsturz samt Wiederkehr eines nationalen Sozialismus hegte. […]