Aufstand des Kleinbürgertums. Infantilisierung und Männerbünde in der Linken

Zu Lenins Überzeugungen gehörte es, dass die urwüchsige Organisationsform des Industrieproletariats die Gewerkschaft sei und dieses, anders als es noch Marx hoffte, nicht aus sich heraus zur Revolution dränge. Verbittet sich angesichts der historischen Erfahrung zwar Lenins Folgeschritt, einer revolutionären Kaderpartei daher die Führung der Arbeiterschaft aufzutragen, so lässt sich doch festhalten, dass Lenin, zumindest mit seiner Analyse, anscheinend Recht hatte. Wo immer die kapitalistische Produktionsweise Fuß fasste, die Arbeiterschaft organisierte sich in Massenorganisationen und das collective bargaining war Mittel der Wahl im Klassenkampf. Spätestens seit Mitte des 20. Jahrhunderts wiederum war diese Arbeiterschaft aber in die bürgerliche Gesellschaft integriert und der alltägliche Interessenkonflikt zwischen Arbeit und Kapital war ritualisiert und seiner revolutionären Sprengkraft beraubt. […]

Europäischer Antizionismus. Zur „Wiedergutwerdung Europas“ am Pariastaat Israel.

Das Jahr 2015 erscheint aus Sicht der Europäischen Union als Krisenjahr, welches die Staatengemeinschaft vor mehrere Zerreißproben stellte. Der wirtschaftliche und folglich soziale Kollaps Griechenlands, die nationale Rückbesinnung Großbritannien sowie die Flüchtlingstrecks über das Mittelmeer und durch den Balkan stellen die EU vor fundamentale Fragen. Nicht nur die wirtschaftliche Zusammenarbeit sondern auch die politische Annäherung Read more about Europäischer Antizionismus. Zur „Wiedergutwerdung Europas“ am Pariastaat Israel.[…]

The gentle brute: Wie es kam, dass in Europa wieder deutsch gesprochen wird

Deiner Ordnung, Fehlberechnung, Bildungslücke
entspringt Dein Gott in Deinem Fall die Barbarei
Aus diesem Grund und einem Keller voller Leichen
zieht es Deutschland nach Europa
und ohne sich zu öffnen stellt es Weichen
um Schuld und Angst gleich unter Gleichen fernzuhalten
sich mit Sicherheit noch weiter zu verdrängen
in ein totales Sinn- und Sein- und Zeitbedürfnis
das wie zuvor nur in sich selber kreisen kann
ein neues Haus, das alte, Heimat
bleibt bei der Stange stehen in alter Tradition
kommt ohne wegzugehen an.

(Blumfeld: L’état et moi)

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg vom Lehrstuhlinhaber zum sozialwissenschaftlichen Klassiker besteht darin, einen Begriff zu prägen, der über das wissenschaftliche Feld hinaus wirkt. Wenn sich das überregionale Feuilleton dann Global Cities, die Weltrisikogesellschaft oder die Neuen Kriege in den Sprachgebrauch übernommen hat, kann man die Zeit bis zur Pensionierung als Keynote-Speaker, Interviewpartner von Alexander Kluge oder populärwissenschaftlicher Visionär fristen. Letzteren Weg wählte Herfried Münkler, der es trotz kleinerer Streitigkeiten mit seinen Erstisi fertig brachte, 2015 drei Monoraphien zu veröffentlichen. Den schmittschen Reigen von Raumii und Kriegiii komplettiert ein Werk über die zukünftige Rolle Deutschlands in Europa.iv

[…]

Wollt ihr den totalen Frieden? Appeasement, Faschisierung und postmoderne Zivilisationsmüdigkeit im neuen Europa.

Es sieht finster aus in Europa. Der zunehmenden Faschisierung der europäischen Nationalstaaten steht eine desorganisierte, theoretisch verarmte Mainstream-Linke gegenüber. Genau so kann von einer gemeinsamen Anstrengung gegen den Islamismus nicht die Rede sein, denn die Appeasementpolitik gegenüber all seinen Unterstützern wird höchstens mal von blindem, wirkungslosem Aktionismus abgelöst, wenn der Dschihad das europäische Festland erreicht. Die einzige Antwort staatlicherseits, ist die Ausdehnung von Überwachung und Repression bei gleichzeitiger Abschottung Europas vor dem Rest der Welt. Den Tod tausender verzweifelter Flüchtlinge vor den EU-Außengrenzen nimmt man damit ebenso in Kauf wie den starken Anstieg rassistischer und antisemitischer Gewalt. […]

Der Stolz einer Kartoffel

Mit Vater Staat gegen die Zivilgesellschaft.

Zuckerbergs Spende und das Echo des deutschen Denkens.

Mark Zuckerberg ist in Deutschland unbeliebt. Im Februar 2014, während der geplanten Übernahme von WhatsApp, holte der Karikaturist Burkhard sogar antisemitische Klischees aus der Trickkiste: Er zeichnete Facebook als „Datenkrake“ mit Hakennase und Pejes.

Anlässlich der Geburt seiner Tochter Max eröffnet Zuckerberg, 45 Milliarden US-Dollar, also etwa 99% des derzeitigen Facebook-Aktienwertes, peu a peu in eine gemeinnützige Stiftung zu überführen. In einem öffentlichen „Brief an seine Tochter Max“ gibt er das Motiv (seine Tochter solle in einer besseren Welt aufwachsen) und das Programm vor. Mit solchen Gesten reiht er sich in die Liste der reichen Philanthropen um Gates und Buffet und damit in eine US-amerikanische Tradition ein. […]

Wahlkampfslogan der SPD von 2013 - mit der Gemeinschaft gegen das Individuum

„wir“ hat den Friedensnobelpreis 2015 gewonnen – Ein Preis für Volksgemeinschaft und Austeritätspolitik

 

Eine der bürgerlichen Erzählungen zur Legitimierung kapitalistischer Herrschafts- und Produktionsverhältnisse ist der brutale Naturzustand Hobbs`scher Prägung, aus dem die Menschheit nur durch einen Vertragsschluss untereinander herauskam. Dieser Vertrag festigte erstens eine Minimalmoral und delegierte zweitens alle politische Macht an eine übergeordnete staatliche Instanz. Den Schwachen wurde so das Leben und die formale Freiheit, ihre Arbeitskraft auf den Markt zu werfen, geschenkt. Diesen Markt schufen die Starken, die nun ohne Angst, dass jemand nach ihrem Leben trachten könne oder die Schwachen sich gegen sie zusammenrotteten, ihr Eigentum ausbauten. […]

Wenn die Deutschen Zusammenhalten;
so schlagen sie den Teufel aus der Hölle.
Propagandapostkarte aus dem Ersten Weltkrieg

Solidarität und Imagepflege: Die Eingemeindung der Flüchtlingshilfe in die deutsche Ideologie

 

Allein im Jahr 2015 gab es über 500 Demonstrationen, Angriffe und Anschläge gegen Geflüchtete, ihre Unterkünfte oder die angeblich liberale Asylpolitik Deutschlands. Die Zahl ist erschreckend und lässt die Erinnerungen an die frühen neunziger Jahre wach werden, als AsylbewerberInnen und ehemalige VertragsarbeiterInnen der DDR auf eine deutsche Bevölkerung trafen, die einerseits vom nationalistischem Wiedervereinigungstaumel gesättigt und andererseits von Deutscher Angst im Zuge der Kapitalisierung der neuen Bundesländer überladen war. […]

Hatten am 8./9. Mai 1945 allen Grund zu feiern: Churchill, Roosevelt und Stalin - hier während der Konferenz von Jalta 1943, bei der die Zerstörung der deutschen Einheit als Kriegsziel festgelegt wurde.

Kritik der deutschen Feierlichkeiten zum Ende des Zweiten Weltkrieges am 8./9. Mai.

 

Eine der schockierenden Erkenntnisse, die sich bei der historischen Analyse der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, dem deutschen Griff nach der Weltherrschaft und dem im Holocaust verübten Zivilisationsbruch ergibt, ist die Tatsache, dass Hunderttausende von „normalen“ Bürgern mit Feuereifer und frohen Mutes am Vernichtungsfeldzug teilgenommen haben und bis zuletzt lieber mit der Waffe in der Hand starben, anstatt sich den einrückenden Alliierten zu ergeben. Lässt man diese Tatsache wirken, zwingen sich mitunter zwei Fragen auf. Erstens: Welche Umstände sorgten dafür, dass sich das banale Böse so losbrechen konnte und zweitens: Gab es eine Traditionslinie evtl. spezifisch deutschen Denkens, die vielleicht auch heute noch sowohl latent wie virulent ist? […]