15. November 2014

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Der Distanzierte bleibt so verstrickt wie der Betriebsame; vor diesem hat er nichts voraus als die Einsicht in seine Verstricktheit und das Glück der winzigen Freiheit, die im Erkennen als solchem liegt. Die eigene Distanz vom Betrieb ist ein Luxus, den einzig der Betrieb abwirft.

Theodor W. Adorno – Minima Moralia

 

Als konstitutiv für das Selbstverständnis der Redaktion, den Zweck und schließlich den Namen der Zeitschrift Distanz werden drei Punkte erachtet:

Abseits linker Hochburgen ist der förderliche Austausch von Theorie und Praxis ein problematisches Feld. Die Irrelevanz der eigenen Position entspricht der Entfernung der Provinz zu den urbanen Zentren. Das Magazin will diese Kluft überbrücken und den Austausch innerhalb der progressiven und ideologiekritischen Linken suchen.

Die Distanz soll zweitens der Versuch sein, die theoretische Grundierung linker Politik sowie die Kritik linker Ideologien voranzutreiben. So dient die Distanz als Medium der Suche nach Erkenntnis in der Entfremdung. In Anlehnung an das Eingangszitat soll sich jedoch nicht der Illusion hingegeben werden, der Distanzierte sei weniger in den bürgerlichen Verhältnissen verstrickt, als es der Betriebsame ist: Die karge Hoffnung liegt im Erkennen dieser Befangenheit.

Deshalb nimmt sich die Distanz schließlich die bürgerlichen Zustände zum Ziel ihrer Kritik. Abseits deutscher Konsenswünsche soll die kritische Position gesucht werden.

Die Distanz will sich dem Dialog verweigern und sich der allzudeutschen Sehnsucht nach Versöhnung entziehen. Stattdessen wird die Anspannung gesucht, die eine kritische Bezugnahme auf deutsche Zustände und die Hoffnung auf Erkenntnis in der Distanzierung unweigerlich mit sich bringt.

 

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