Kommerziell, sympathisch, Objekt des Hasses. (c) Ralf Roletschek

Das Schweigen über die Täterideologie. Zum Ausbleiben einer Debatte nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt

Ich bin hier, gelobe, dem Kalifen, Abu Bakr Al-Baghdadi zu gehorchen, was auch immer er mir befiehlt, auch wenn es zu meiner Abneigung wäre, und weiter zu tun, es sei denn, mir wird befohlen, etwas zu tun, von dem ich sicher weiß, dass es im Islam verboten ist. Ich gelobe auch, für den Islam zu Read more about Das Schweigen über die Täterideologie. Zum Ausbleiben einer Debatte nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt[…]

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Anwalt & selbsternannter Klassensprecher: Christian Barons „Proleten, Pöbel, Parasiten“

Beim neuerlichen Besuch eines Gastwissenschaftlers aus Großbritannien kam das Gespräch – vermittelt über den Brexit – auf die Mitgliedschaft meines Kollegen in der Green Party. Der Gefahr bewusst, dass dieses Gespräch kippen könnte, lenkte ich den Fokus von der Insel schnell auf Deutschland, gab vor keine Kenntnisse von der britischen Ausprägung der Bewegungspartei zu haben und führte an, dass diese in Deutschland eine Partei von und für die gehobene Mittelschicht ist. Der Kollege antwortete in einem Tonfall, den ich zunächst für beispielhaftes britisches Understatement hielt: „Let’s say well educated“. […]

Conne Island | 2013

Eine tatsächlich linke Dummheit

Die Debatte um den Text des Conne Islands „Ein Schritt vor, zwei zurück“1 scheint nicht abzureißen und offenbart die Abgründe des „tatsächlich linken Bewusstseins“ im völlig faktenresistenten Bezug auf den Islam. Zur Erinnerung In dem besagten Text, der vor zwei Monaten auf der Website des alternativpolitischen Freizeitzentrums in Leipzig veröffentlicht wurde, beschrieb das Plenum des Read more about Eine tatsächlich linke Dummheit[…]

... und antideutsche Antwort

„Wir sind das Sprachrohr der USA!“ Deutsche Morallehren und antideutsche Identifikationen

 Der Sieg Donald Trumps im Wahlkampf um das Amt des Präsidenten der USA hat Schock und Empörung in Rheineuropa und insbesondere in Deutschland ausgelöst. Der Außenminister konnte sich bislang nicht einmal zu einem förmlichen Glückwunsch zum Sieg des Republikaners durchringen, so erzürnt ist sein demokratisches Gewissen. Dass Parteikollegen beispielsweise zeitgleich die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit und damit die politische Aufwertung des Iran fördern – geschenkt. Die Empörung über den Sieg Trumps erklärt sich nicht nur durch den Schock über das Erkennen der gerichteten Wahrnehmung und folglich der falsch eingeschätzten Interessen- und Debattenlage der US-Bevölkerung im Wahlkampf; die Empörung entspringt auch der im Zuge der falschen Aufarbeitung der Vergangenheit entstandenen deutschen Befindlichkeit. […]

Deutsche Beißreflexe...

„Dear Americans“ – another attempt to make Germany great again

Es ist der 9. November, an dem sich die deutsche Nation ihres Webfehlers (Pohrt) ermächtigt und ihn in das Happy End der Wiedervereinigung zweier deutscher Staaten zu einem großen hin triumphieren lässt. 2016 sollte es allerdings nicht das übliche Gedenkpotpourri aus einstürzenden Synagogen- und Stadtmauern sein, das den Zeigefinger des Studienrats nach oben schnellen lässt, sondern der Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen. Hatte man nicht in den sozialen Medien herrlich sarkastisch davor gewarnt, den starken Mann an der Spitze des Staates zu wählen? Wir wüssten schließlich, wo das endet – warum es aber hier und nur hier so endete: einerlei.  […]

Japan holt sich sein Stück vom chinesischen Kuchen - Kariktatur "En Chine" von 1898 (Le Petit Journal)

Es war einmal in Groß-Ostasien

Am 9. September 1945 endete der zweite Weltkrieg. Nicht mit der Kapitulation Deutschlands, die den Krieg in Europa schon am 8. Mai des selben Jahres beendete. Auch nicht mit der berühmten Ansprache des japanischen Kaisers per Radio, der, nach den Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki und ohne das Wort Kapitulation je in den Mund zu nehmen, sich den Alliierten ergab. Nein, erst mit der Kapitulation der japanischen Truppen in China war der Krieg wirklich beendet. Es ist bezeichnend, wie wenigen Menschen außerhalb der betroffenen Länder dieser Kriegsschauplatz überhaupt bewusst ist. Dabei hatte der Weltkrieg hier begonnen, nicht mit Hitlers Überfall auf Polen, sondern mit dem zweiten japanisch-chinesischen Krieg.

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H.O.A.X. – Zur Faselei von EXIT und der Wertabspaltungskritik

Liebe EXIT-Redaktion, erst kürzlich habt Ihr auf Eurer Homepage einen Text von Hannah Odenbach und Amelia Xiomara mit dem Titel “ Hypermaskuline Orthodoxie anstatt kategoriale Schranke?” veröffentlicht, den wir unten gerne dokumentieren möchten: Diesen Artikel habt Ihr mit einer „Vorbemerkung“ versehen, die da wie folgt lautet: Vorbemerkung Dass die fundamentale Krise neben der materiellen Reproduktion Read more about H.O.A.X. – Zur Faselei von EXIT und der Wertabspaltungskritik[…]

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Alles halb so wild? Critical Whiteness für Jungantideutsche

  Die Debatte um den theoretischen Gehalt und die praktische Ausformung des Critical Whiteness schwelt seit einigen Jahren, spitzt sicher aber infolge der Gründung von weißkritischen Gruppen (etwa an der Uni Mainz) sowie dem Einzug weißkritischer JournalistInnen in die Online-Redaktionen bürgerlich-linker Blätter wie das Missy Magazine oder der taz zu. Wohl um dieser sich entwickelnde Read more about Alles halb so wild? Critical Whiteness für Jungantideutsche[…]

Objekt regressiver Kritik des postmodernen Fußballs: RB Leipzig

Ihr wollt Fußball so wie früher? Kritik der politischen Ökonomie und traditionalistischer Affirmation des postmodernen Fußballs

Eine vitale Diskussion entwickelte sich in den vergangenen Jahren, zumal durch den Aufstieg des RB Leipzig, über die Kommerzialisierung des Fußballsports, vermeintliche Heuschrecken, verkürzte Kapitalismuskritik, Plastikmannschaften, echte Fans und nicht zuletzt die Frage, ob die Anhängerschaft eines Vereins denn nun „Links“ oder „Rechts“ wäre.

Emanzipierte Fußballfans, insbesondere Assoziierte der Ultra-Bewegung treten bei Mitgliederversammlungen selbstbewusst als politische Akteure auf und initiieren gesellschaftliche Projekte abseits des Stadions. Ein Beispiel hierfür ist die Vergegenwärtigung der jüdischen Wurzeln des FC Bayern München und insbesondere die ‚Wiederentdeckung‘ des ersten Bayern-Präsidenten und Naziopfers Kurt Landauer durch die Ultragruppierung ‚Schickeria München‘. Das seither jährlich stattfindende antirassistische Kurt-Landauer-Turnier der Schickeria entspringt eben jenem Denken, sich nicht nur samstags zwischen 15:30 Uhr und 17.15 Uhr mit seinem Verein zu identifizieren. Doch diese Identifikation wird auf eine harte Probe gestellt, wenn sich Ultras mit der kulturindustriellen Warenform des Profifußballs – in Form der Eventisierung des Stadionbesuchs etwa – konfrontiert sehen. […]

Habermas' Antwort auf Ernst Noltes Revisionismus. "Die Zeit" vom 11. Juli 1986, Foto: Franziska May (CC BY-NC-ND 3.0)

Antisemitismus ist ohne Relevanz. Zum Tod von Ernst Nolte und dem deutschen Selbstverständnis

Ernst Nolte ist gestorben und eine Reihe von Nachrufen ging durch den deutschen Feuilleton. Wie Nachrufe so sind – über Tote soll man nicht schlecht sprechen – halten sie ihre Bewertungen in den vermeintlichen Grenzen der Freundlichkeit und behaupten mal lapidar häufig anerkennend, Ernst Nolte sei der Historiker, der den Historikerstreit initiierte – als sei Revisionismus eine rühmliche Lebensleistung. […]